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http://myblog.de/frittenkopf

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Über

Joa, ich bin der Felix. Frittenkopf. Wegen der Fritten auf dem Kopf.

Dieser Blog behandelt (wie schon woanders geschrieben) mich. Und meinen 10monatigen Aufenthalt im Reich der Mitte. Und was mir sonst noch einfällt, was ich dem geneigten Leser mitteilen möchte.

Alter: 26
aus: 53332 Bornheim
 
Schule: AvH-Gymnasium in Bornheim
Universität: Tsinghua Zhiqing High School in Beijing, HaiDianDistrict

Ich mag diese...
Musiker: Die Ärzte, The Levellers, SoAD, Billy Talent, Linkin Park, Farin Urlaub, Stone Sour, Eric Clapton uvm.
Lieder: Außerdem "Hey There Delilah" von Plain White T's. Und noch ein paar andere, die mir gerade nicht einfallen.
Filme: Matrix, Das Leben des Brian, Herr der Ringe, 23, die fetten Jahre sind vorbei...
Bücher: "Der Verdacht" (Dürrenmatt), "Der Schwarm" (Schätzing) "Der zwölfte Engel" (Kerr)
Zum Beispiel...

Autoren: Grisham, Gablé, Mankell... Ach ja, Geheimtipp: Philip Kerr!
Sportarten: Volleyball, Handball, Badminton, Tischtennis... Davon beherrsche ich nur... äh. Volleyball. Ein bisschen.
Hobbies: Stamm Sperber! Bass spielen. Volleyball.
Hobbies sind hier drüben natürlich eingeschlafen, mal sehen, welche ich wieder aufwecke...

Orte: Das 5 Sterne-Oslo. Zuhause. Meistens die Schule.

Und... die ganze Welt. Davon schon erlebt: Norwegen, Estland, Slowenien, Frankreich, England, China, Thailand (naja, da war ich noch ziemlich klein...) , Malaysia (da auch), Kroatien, Italien, Holland, Belgien...

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich schon ziemlich sexy...

Wenn ich mal groß bin...:
werd ich noch sexier sein!

In der Woche...:
muss ich um 5:15 aufstehen. (hier. Zuhause nicht.zum Glück)

Ich wünsche mir...:
Ein schönes Auslandsjahr. Und dass mir meine Freunde in Dland erhalten bleiben.

Ich glaube...:
nicht an Gott. Aber irgendetwas muss da sein.

Man erkennt mich an...:
den Fritten

Ich grüße...:
den geneigten Leser

Ich bitte Dich:
In mein Gästebuch zu schreiben und, wenn dir danach ist, einen meiner Einträge zu kommentieren.



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Blog

wenig schönes...

Endlich schreib ich mal wieder. Hat aber 'nen Grund dass es so lang gedauert hat. Hoffentlich wird der ersichtlich wenn ich hier fertig bin.

Nach den Ferien fing die Schule wieder an und ging ihren gewohnten sozialistischen Gang. Man gewöhnte sich daran, nicht mehr jeden zweiten Tag mit Ausländern in der Stadt herumzucruisen und die Starbucks unsicher zu machen.

Ach Mann. Cut. Scheiß Einleitung interessiert eh keinen, komm ich also direkt zu dem was mir schwer fällt zu schreiben, weil's keinen Spaß macht, weil es auch in Real nicht angenehm war.

In den Ferien und bis kurz danach verstand ich mich verhältnismäßig prächtig mit meiner Gastfamilie, der Vater war da, wir unternahmen Sachen gemeinsam, gingen Essen, sie interessierten sich dafür, wo ich hingehe, mit wem, wie es war, was ich gegessen habe. Ich war ziemlich euphorisch dass das so bleibt oder sich sogar verbessert, sobald Jiaxing außer Haus sein würde. Nicht weil ich mich mit ihm gestritten oder schlecht verstanden hätte, aber er ging mir manchmal auf die Nerven, wenn er nur englisch mit mir sprach und mir Vorschriften machte. Außerdem behagte mir die Aussicht, das Zimmer mit seinen Vorzügen (Internet) fünf Tage die Woche für mich allein zu haben.

Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt (ich glaub, Janosch hat das mal geschrieben, oder?). Anfangs war alles Friede, Freude, Eierkuchen. Beim Essen unterhielten wir uns mehr und interessanter als vorher, ich genoss die neuen Privilegien die sich aus Jiaxings Abwesenheit ergaben. Dazu gehörte auch anderes (besseres) Essen, denn die Herren im Haus konnten auf Fleisch in einer Mahlzeit nicht verzichten, wogegen Gmama genauso wie ich ein bisschen vegetarisch essen ab und zu durchaus zu schätzen weiß. Und ich stellte fest, dass ich Jiaxing zumindest so sehr mag, dass ich mich über seine Rückkehr am Wochenende freute.

Angefangen hat es dann, wie könnte es anders sein, mit Geld. Irgendwann, ich ahne nichts böses, komme ich nach Hause und die Lichter sind aus. Gmama erklärte mir, dass die Stromuhr kaputt gegangen und jetzt eine neue da sei. Die alte lief, wie unsereiner es kennt, vorwärts. Und von Zeit zu Zeit kommt ein Stromgesellschaftswesen und liest sie ab und verlangt einen mehr oder weniger horrenden Geldbetrag, den diese unheimliche Kreatur irgendwie aus der Zahl auf der Uhr zu ermitteln scheint. Die neue jedoch, läuft anders. Rückwärts. Und es gibt auch kein Stromgesellschaftswesen mehr, der es versteht, Geldbeträge aus Uhren zu lesen. Vielmehr funktioniert das ganze wie ein Prepaid-Handy oder ein World of Warcraft-Account. Eher wie ein Prepaid-Handy, wenn man genau sein möchte.

Man geht zur Bank (Warum ausgerechnet die das macht, versteh ich auch nicht, aber die Chinesen haben generell eine Neigung, verschiedene Dinge von einer einzigen Stelle regeln zu lassen, die scheinbar mit keinem dieser Dinge etwas zu tun hat. Hängt wahrscheinlich irgendwie mit Staatlichkeit von allem und jedem zusammen.) und dort kauft man eine Prepaid-Karte über einen gewissen Strom- beziehungsweise Geldbetrag. Gemessen wird der Strom in Zähluhreinheiten. Man kauft also beispielsweise Zweihundert Einheiten Strom für Hundert Yuan. Mit der Karte geht man dann zu seiner heimischen Zähluhr, tut etwas mystisches, das ich noch nicht gesehen habe und flugs stehen da mehr Einheiten als vorher. Dann verbraucht man und wenn sie weg sind, geht das Licht aus. Fernseher auch, Felix' Läptop nicht (muahaha). Man muss eine neue Karte besorgen und benutzen.

Das hat sie mir alles erklärt. Okay, kein Problem. Was hat das jetzt ganz konkret mit mir zu tun? Dachte ich. Misstrauisch wurde ich, als sie anfing, mir zu erklären, wieviel Geld der mystische Stromgesellschaftsdiener bei seinem finalen Besuch aus der toten Stromuhr gelesen hat. Dann fing sie an, zu rechnen. Anhand subjektiver Beobachtung setzte sie meinen Stromverbrauch in Gegensatz zu dem der Restfamilie (was ich allerdings relativ plausibel fand). Und meinte ich solle zahlen. Einen Anteil an dem bereits verbrauchten Strom und einen Anteil an der nächsten Prepaidkarte. Uff. Das ist so in den ganzen Austauschprogrammen üblicherweise nicht vorgesehen. Und außerdem hatte ich eine derartige Summe gar nicht zur Hand. Es schien aber zu eilen und sie schien nicht in der Lage, ohne mein Geld zu bezahlen, was bedeutete, dass die Uhr tickte und wir dann ohne Reserve da stünden, wenn ich nicht bezahlte. Also bezahlte ich. Aber ich rief auch ASSE an und erzählte das und fragte ob das okay sei. Erstmal die zu erwartende „Erwachsene haben Recht“-Antwort: „Du verschwendest wahrscheinlich einfach zu viel“ Okay, Dankeschön für den produktiven Beitrag zur Problembewältigung. Ich erklärte den Sachverhalt genauer und schließlich ließ sich dann eine ASSE-Mitarbeiterin dazu herab, bei Gmama anzurufen und nachzuhaken. Das brachte sie auf, gegen mich. Wütend meinte sie, ich verbrauche tatsächlich viel. Und viel mehr als sie, und sie könne das auch ohne mich garnicht bezahlen. Zum Beispiel dusche ich täglich und der Boiler braucht Strom. Sie duscht nur zweimal wöchentlich. Ich säße auch so viel vor dem Computer. Stimmt beides.

Aber. In der Familie wurde vorher nie irgendetwas gespart. Gespült wurde unter laufendem Wasser, alle Lichter waren immer an, der Fernseher auch. Zum Essen in der Küche wurde der Fernseher im Wohnzimmer nicht etwa ausgemacht sondern lauter, damit man es hören kann. Jiaxing ließ für Downloads den Computer über Nacht an. Wenn der Liter Wasser abgekühlt war, kochte man ihn nochmal, anstatt ihn anfangs in eine Thermoskanne zu gießen. Dementsprechend sparte ich so, wie ich es in Deutschland auch tue. Licht ausmachen, wenn ichs nicht brauche, Energiesparlampe kaufen, Wasser nicht laufen lassen und so weiter.

Doch das war vorbei. Ab jetzt war Hardcore-Sparen angesagt. Alle Lichter immer aus, kein Fernsehen mehr, Wasser auf dem Gasherd kochen, Abschaffung möglichst vieler Küchengeräte zugunsten des Gasherds. Und das in den letzten Winterzuckungen, als die Sonne noch um sieben unterging. Also saß Gmama, wenn ich nach Hause kam, im dunklen fensterlosen Wohnzimmer und strickte oder, wenn es auch dafür zu dunkel war, tat gar nichts. Sie benutzte in ihrer eigenen Wohnung eine Taschenlampe. Klogang im Dunkeln. (Bitte hier schon um Kommentare wie „die spinnt ja“ „ab auf die Couch“ „krankomat“ oder so, auch wenn dazu auch später noch Gelegenheit und Anlass sein wird.)

Außerdem fing sie an, ständig die Zähluhr zu prüfen, wiederzukommen und mir zu sagen: „Beim Duschen heute morgen hast du ganze zwei (!!) Zähluhreinheiten verbraucht!“

Von da an sprachen wir kaum noch, und wenn, über Geld oder Strom. Irgendwann kam raus, dass sie mich auch um Wassergebühr anzugehen gedachte. Nochmal schlimmer. Ab und zu kam sie und keifte mich an oder redete stundenlang mit mir und erklärte mir die Dinge die sie mir vorher schon zigmal erklärt hatte. Dass sie nicht arbeite, weil sie sich um den Haushalt kümmern muss, sondern nur ihr Mann alleine die ganze Fam versorgen müsse, dass sie sich deswegen nicht leisten könnten, mich finanziell komplett zu tragen. Wer könne das schon? Sowas gehe in China nicht. ASSE gebe ihr zwar Essensgeld, aber das sei ja noch nichtmal fürs Essen genug. Und Miete müssen sie ja auch bezahlen. Irgendwann wurde es dann fundamentaler und sie erklärte mir, dass sie mich ja nur aufgenommen haben, weil die Lehrer ihnen erzählt hätten, mein Englisch sei so gut dass ich Jiaxing nachhelfen könne. Das sei so der einzige Grund warum sie mich überhaupt empfangen haben. Und da hätte ich versagt und beschwere mich auch noch, dass ich völlig selbstverständliche Leistungen bezahlen soll. Zugegebenermaßen, als Englischlehrer habe ich versagt. Aber ich habe mich auch nie als einer verstanden und mich dementsprechend auch nicht besonders bemüht.

Das alles und die Stimmung, die dadurch entstand, brachte mich zum Entschluss, die Gastfamilie zu wechseln. Das sagte ich ihr auch. Friedlich, denn die Stimmung war zwar eisig, aber nicht feindlich. Ich wollte sie sogar noch zum deutschen Essen ins Restaurant einladen, als Abschiedsessen sozusagen. Und sie war einverstanden. Sagte, sie fände es schade wenn ich ginge, aber wohl fühle sie sich auch nicht, solang ich da bin.

Also ASSE Bescheid sagen. Die sträubten sich natürlich. Beziehungsweise taten sie erst einmal – nichts. Auch nicht, nachdem ich mithilfe meiner Freunde in Yanqing sowohl eine Familie als auch eine Schule gefunden habe. Erst nachdem ich zweimal nachgehakt und nochmal gewartet habe, kam die erste Ansage, die über „Da muss ich mit X drüber reden“ und „Wir sagen Bescheid wenn es was neues gibt.“ hinausging. Und die war unverschämt. Erstmal gefragt: „Findest du eigentlich, dass alleine deine Gastmutter schuld ist an alledem?“ Worauf ich antwortete, dass das doch völlig irrelevant sei, es gehe ja kaum um Schuld, sondern viel mehr darum wie ich mich fühle. Woraufhin man mir schrieb, ich habe ja nie versucht, die Situation zu lösen, wolle direkt zum letzten Mittel greifen, ich solle lieber mal nachdenken. Ich dächte ich bräuchte nur ein paar Probleme zu machen und schon werde gewechselt. Ich sei so kindisch. Außerdem soll ich mal an all die Mühe denken, die sich die Gmama für mich gemacht hat.

Zwischendurch habe ich auch das Wassergeld bezahlt. Und irgendwann wollte ich auf die Toilette. Stelle fest, dass kein Klopapier mehr da ist und frage Gmama danach, denn die Packungen lagern in ihrem Zimmer. Die fängt an zu schreien und zu keifen. Zieht die angefangene Rolle hervor und eine neue. Blafft mich an, ich verbrauche so viel Toilettenpapier, das sei nicht mehr normal, ob ich das in Deutschland auch tue, soooviel habe ich in nur soundsovielen tagen verbraucht! Währenddessen nimmt sie die neue Rolle und wickelt sie solange ab bis sie genauso dick ist wie die angefangene. Hält also einen Haufen abgerolltes Klopapier und zwei Rollen in der Hand und brüllt. Ich hab meine Füße betrachtet und mir ein Lachen verkniffen. Also benutze ich jetzt mein eigenes. Wenn es nicht so lächerlich wär, müsste man sich darüber aufregen.

Dass ich mein Essen jetzt nur noch kalt bekomme, macht mir nicht soo viel aus. Irgendwann kam ich nach Hause und sie hatte schon gegessen und mein Essen stand da. Erklärte, dass sie heute irgendwie schon früher Hunger bekommen hat. Und so ist es jetzt immer. Und wenn ich früher komme und mein Essen weder kalt noch alleine essen müsste, nimmt sie sich ihre Schüssel und setzt sich in ihr Zimmer. Irgendwie komisch... sieben Monate lang hat sie erst total spät Hunger gehabt...

Da das mit ASSE nicht voran zu gehen schien, schrieb ich auch zweimal an iST. Ironisch eigentlich, dass die Kommunikation mit Unbekannten in zwanzigtausend Kilometer Entfernung besser klappt als mit Leuten die man getroffen hat und zwei Busstationen weiter leben. Jedenfalls ist der neueste Stand, dass ich die Schule nicht wechseln darf, was für mich in Ordnung ist, solang ich nur von Gmama wegkomme. Ansonsten ist der Wechsel abgesegnet und die Schule sucht für mich nach einer Familie. Die zuständige Lehrerin meinte, das sei bis nächste Woche geklärt. Mal sehen ob das klappt.

Puh. Das habe ich also jetzt hinter mich gebracht. Ich hasse es, unangenehme Sachen zu schreiben, sogar wenn sie ganz frisch sind, aber noch schlimmer wenn ich mich nochmal an alles erinnern muss.

Jetzt ist endlich Zeit für das Schöne:

Erstmal, ein paar von euch werden vielleicht tierisch Mitleid mit mir haben, wegen der ganzen Familiengeschichte. Super! Aber ich stelle fest, dass meine Eltern und Großeltern mehr zu leiden scheinen als ich es tue. Also, macht euch nicht zu viele Gedanken, ich schaff das schon. Ehrlich gesagt betrachte ich das ganze in den Zeiten in denen es nicht akut ist, vor allem als ärgerlich und lächerlich. Und ich sitze nicht zuhause, ritze mich und heule ununterbrochen. Deswegen ist ein bisschen Mitleid schon genug :-)

Viele fragen mich, wie mein Geburtstag war. Super war der! Obwohl anders als geplant, denn ich hatte kein Geld um Freunde ins KTV und die Familie ins deutsche Restaurant einzuladen. Also sind wir einfach so nach Wangfujing, ziemlich große und interessante und ziemlich teure Einkaufsstraße und Fußgängerzone, die zu jeder Tages- und Nachtzeit hoffnungslos überfüllt ist und allein deshalb schon spaßig. Wir aßen in einem einigermaßen billigen und unglaublich schlechten Selbstbedienungsrestaurant. Und dann saßen wir einfach da, in der Sonne, verspeisten eine dicke Torte (Feeeett!!) und gaben mir Geschenke. Wow! Yeah, ich hab 'ne Jeans! Das kam nämlich so. Bei einem der anderen Shoppingtrips hab ich mal eine Hose anprobiert und fand die ganz okay. Und Anna aus München sagte „Mann Felix, geil ey! Auf jeden Fall viel schicker als die ollen Zimmermannshosen!“ Stellt euch vor, ihr steht im Himalaya aufm Mount Everest und dann wird die Matrix umprogrammiert und da wo vor einer Sekunde noch der Mount Everest stand, ist jetzt Holland. So... den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich dachte immer, die Butzen seien so der Mt. Everest der Coolness, des Chic und der Lebensart und habe sie stolz getragen. Und plötzlich... kommt so ne Münchnerin vorbei... Jedenfalls heißt das nicht, dass ich keine Zimmermannshosen mehr trage, sondern nur dass ich meinen langjährigen Jeansboykott aufgehoben habe.

Chucks hab ich auch geschenkt bekommen! Wow! Felix wird voll das Modemonster! Crazy!

Mein Geburtstag war toll. Danke an alle.

Was auch viele fragen: Tibet. Was bekomme ich davon mit? Ganz lange Zeit garnichts aus den chinesischen Medien, sondern nur von tagesschau.de. Dann fing es an. Ich höre chinesisches internationales Radio, was bedeutet, dass es ungefähr gleichgewichtet auf englisch und auf chinesisch ist und zwischendurch auch auf deutsch, spanisch, französisch, japanisch. Und dort wurde von Tibet berichtet, dass vereinzelte terroristische Separatisten, die vom Dalai Lama und seiner Clique gelenkt werden und die chinesische Einheit zerstören wollen und in Tibet wieder Leibeigenschaft und Gottesstaat einführen wollen, randalieren, Wohnungen und Geschäfte anzünden, Steine auf Unschuldige werfen und auch vor Mord nicht zurückschrecken. Es wurden Menschen interviewt, die vor laufender Kamera in Tränen ausbrechen, weil ihre Familie in den Flammen ihres Geschäfts umgekommen ist, und lauthals auf die bösen Separatisten schimpfen. Dann noch Mönche, die ihre protestierenden Brüder verurteilen. Polizisten, die die Brutalität der Demonstranten betonen und dass Menschen festgenommen wurden, aber nie geschossen worden ist. Auch beim Fackellauf werden vor allem empörte Bürger, die finden dass die Proteste die ganze schöne Olympiaatmo zerstören und außerdem ungerechtfertigt sind, interviewt. Regelmäßig hört man auch Berichte, die mit den Protesten nicht direkt was zu tun haben, aber berichten, dass die Wirtschaft in Tibet boomt wie nie zuvor, dass neue Infrastruktur in Tibet fertiggestellt ist und so weiter. Dass es den Tibetern allen total gut geht. Doch im Großen und Ganzen wurde den Protesten selbst nur wenig Zeit gewidmet, viel mehr verwendete man auf die ausländischen Medien und politischen Reaktionen.

RTL zum Beispiel stellte auf ihre Webseite ein Foto von Demonstranten zusammenschlagenden Polizisten im Zusammenhang mit Tibet. Das Foto stammte aber in Wirklichkeit aus Nepal und war vom letzten Jahr oder so. CNN ist so etwas ähnliches passiert. Das alles bekommt man ja auch in Dland mit. Einer hat gesagt „Chinese products are junk and the chinese people are basically the same bunch of goons and thugs they have been for the last fifty years.“. Oder andere haben die Olympiade hier und heute mit denen von 1936 in Berlin verglichen. Das finden die Chinesen natürlich überhaupt nicht witzig. Wieder werden haufenweise Experten und Möchtegernexperten interviewt die die westlichen Medien verurteilen und bezichtigen, journalistische und menschliche Standards zu verletzen und die olympischen Spiele verderben wollen. Als Motiv wird Neid auf die schnelle wirtschaftliche und allgemeine Entwicklung Chinas vermutet.

Vom Fackellauf werden nur harmonische oder höchstens lästige Bilder gezeigt. Ab und zu wird erwähnt, dass jemand versuchte, die Flamme zu löschen und es werden Polizisten gezeigt, die völlig kontrolliert jemanden festnehmen. Das wars. Die massiven Proteste, Chaos und blutigen Nasen, die ich erstmals auf Youtube gesehen habe, werden hier nicht gezeigt.

ASSE scheint doch etwas geplant zu bekommen, denn in zwei Wochen, zum ersten Mai, fahren wir nach Shanghai. Beziehungsweise nach Shanghai, Su-, Hangzhou und Nanjing. Vier Tage, vier Städte. Typisch Chinesisch. Und um 10 im Hotelzimmer sein. Und auf ASSE hören. Und keine eigenständigen Aktionen. Aber wird sicher trotzdem schön. Ich hoff mal das klappt alles.

Es ist nicht mehr lang. Am 22. Juni abends komme ich an. Das sind noch 59 Tage. Freut euch drauf! Denn ich tu es auch!

24.4.08 12:00


4.3.08 12:39


Frühlingsfest und Gude Laune

Ich hab ja versprochen, dass zum Frühlingsfest noch was kommt, und hier ist es. Zugegebenermaßen bin ich ein fauler Mensch und habe das hier nicht alles neue verfasst, sondern zu Teilen aus einer email kopiert, die ich meiner wundervollen Familie geschrieben habe. Jetzt aber trotzdem ruhig weiterlesen, es wird kaum eine hundertprozentige Kopie sein. :-) Es wird wohl was dauern zum nächsten Eintrag, am Montag fängt nach einem Monat Ferien die Schule wieder da, worauf ich überhaupt keinen Bock hab. Null. Wahrscheinlich sogar eher weniger.

Zu allererst, zur Erklärung, das Frühlingsfest ist nicht ein Festtag oder so. Das wäre wie zu sagen, Ostern sei nur Ostersonntag. Vielmehr geht das Frühlingsfest, wenn ich Jiaxing richtig verstanden habe, ganze fünfzehn Tage. Allerdings wird nicht die ganzen zweieinsiebtel Wochen durchgefeiert, stattdessen gibt es ein paar Tage, die besonders sind und begangen werden, der Rest ist nicht als Feiertag erkennbar.

Zweite Erklärung: In chinesischen Festen/Feiertagen/Begehenswürdigkeiten aller Art nimmt das Essen eine ungleich höhere Priorität ein, als in europäischen Festen. Noch höhere. Während zumindest in Deutschland keine feste Vorgabe herrscht, was man zum Beispiel an Weihnachten isst, gibt’s hier für jeden gottverdammten kleinen Feiertag ein sehr spezielles Essen, das noch nichtmal gemocht werden muss, sondern gegessen wird, weils auf dem Feiertagskalender steht. In meinen Augen ist das ganze soweit schon soweit pervertiert, dass die Feste nur noch aus Essen bestehen. Letztens war mal wieder ein kleiner, unbedeutender Feiertag, einer, an dem man so klebrige Klumpen aus Reismehl mit süßer Füllung essen muss. Und es gab noch nichtmal irgendeine Art Zeremonie, nur die Schüssel mit den Bällchen wird mir auf den Schreibtisch gestellt, während ich am Computer sitze. Begleitet von einem Kommentar à la „heute ist der Soundso-tag, da muss man Klebreisfüllungsklumpen essen.“

Also. Zum Frühlingsfest selbst, 6./7. Februar. Großmama kommt vorbei und natürlich wird erstmal gegessen, allerdings nichts soo besonderes. Dann schaut die Familie ganz viel fern, was wirklich traditionell zu sein scheint, weil die andern das auch erzählt haben. Es läuft auch hier am Frühlingsfest ganztags eine spezielle Frühlingsfestshow, die allerdings genauso grauenhaft ist wie der Rest des Programms hier. Die Chinesen wollten auch kaum glauben, dass an Weihnachten im Fernseher nicht so viel läuft, weil kaum einer vor der Glotze hängt.

Dann "fang paozhu". Böllern. War auch nicht soo besonders, weil mir das schon seit zwei Wochen auf die Nerven ging, dass jeder draußen böllert, und das bei den dicht stehenden Häusern mit Dreifachecho und den supersensiblen Autoalarmanlagen, die angehen wenn in der gleichen Straße ein Böller abgeht. Draußen also wars vor allem seehr laut. Und nicht so hübsch wie unser Silvester, hier stehn die ja so auf diese Böllerketten, die sich so maschinengewehrmäßig anhörn, verdammt laut und mit viel Rauch. Das Böllern geht auch noch weiter, bis heute. 24/7. Ganz nett ist es, wenn man zum Beispiel im Bus sitzt und durch die Stadt fährt und rechts und links leuchten die Feuerwerkskörper auf.
Nach Mitternacht gabs dann endlich das traditionelle Essen, Jiaozi (vergleichbar mit Tortellini) mit speziellem Essig, der an einem ganz bestimmten Tag ungefähr drei Wochen vorher vorbereitet wurde. Und fertig war das eigtl Frühlingsfest (also so vorbei wie unser Wehnachten nach den Geschenken ist). Normalerweise, nach allem was ich gelernt habe, hätte es noch „Hongbao“ (roter Umschlag) geben müssen. Rote Umschläge mit Geldgeschenken für die Kinder der Familie. Gabs aber nicht, ich schätze mal, dass Jiaxing dafür schon zu alt ist.

Dann waren ein paar Tage für die Familie bestimmt, das heißt, man darf nichts außerhalb machen. Was bei meiner unglaublich aktiven Familie bedeutet, dass man fernsieht bzw computert. Doch zwei Gelegenheiten sollte es noch geben, an denen dicke Aktion lief. Ein paar Tage später nämlich standen wir um... viel zu früh auf und machten uns im Auto auf in Richtung so'n Wellnessschwimmbad. Ich hab mich schon gewundert, warum man da morgens hinfahren muss, aber es sollte noch schlimmer kommen. Erstmal war die ganze Familie mütterlicherseits da, ziemlich nette Leute, die mich natürlich gaaanz toll fanden. Zuerst hat also die ganze Familie in einem pisswarmen Becken abgehangen. Dann Tee getrunken und gegessen. Dann abgehangen, später in eine Trockensauna, was nicht soo toll ist. Ich wurde allgemein für mein Durchhaltevermögen in derselben bewundert. Dieses ganze Wellnesschwimmbaddingens war gegliedert in verschiedene Teile, einmal den öffentlichen, wo das Schwimmbecken (übrigens ziemlich einfach, einfach nur ein Schwimmbecken mit drei Bahnen, keine Spirenzchen) und ein, zwei Pisswarmbecken sind. Da laufen alle in Badeklamotten oder so hauseigenen Kittelchenbademantelkimonoleinenfummeldingens rum. Dann die geschlechtsgetrennten Bereiche, jeweils hinter den Umkleiden. Hab natürlich nur den Herrenteil gesehn. Da laufen alle nackt rum. Da gibts die Saunen, mehr Pisswarmbecken, Duschen, Massage und ein Mineralwasserbecken mit braunem Pisswarmwasser. Und die ganz harten gehn da in das Kochendheißbecken. Ganz hart war ich auch, weil ich nach dem Saunen immer in das Eiskaltwasserbecken gegangen bin, wofür mich die ganzen nackten alten Säcke da sehr belustigt anschauten. Überhaupt sind die eher langsam und zurückhaltend. Wenn mir Wasser zu kalt ist, dann spring ich rein, das fanden sie ganz komisch.

Irgendwann hatte ich genug und fragte Jiaxing, wann wir eigentlich zurück wollten, das war so gegen zwei mittags. Hab erst sehr spät verstanden, dass "maybe tomorrow" kein Witz war.
Die hatten da nämlich 'ne VIP-Karte, und ergo ein VIP-Zimmer, wo Betten drinstanden. Also hab ich Mittagsschlaf gehalten. Dann wieder duschen, saunen, schwimmen, baden, essen, saunen, duschen, saunen, baden, schwimmen, saunen, essen, baden, saunen, baden, saunen, essen und nochmal saunen. War irgendwie dann doch ganz witzig, ich weiß eigentlich auch nicht warum.
Jiaxing kann übrigens nicht schwimen. Überhaupt nicht. Er fragte mich nachher auch, ob ich's ihm beibringen kann, was ich dann auch versucht hab. Geht natürlich nicht von jetzt auf gleich, zumal hab ich gemerkt, dass ich selber nicht mehr so gut bin wie ich mal war. Meine Ausdauer ist total arm, habe kaum zwei Bahnen Brustschwimmen hinbekommen...

Sehr spät zu Abend gegessen, wieder wurde ich mit Komplimenten überhäuft, von wie toll ich die Stäbchen benutze bis zu wie locker ich den Schnaps trinke (bin ja schließlich Deutscher, die vertragen alle tierisch viel!^^) Die Erwachsenen haben wohl noch bis spät in die Nacht/früh am Morgen Majiang (bei uns bekannt als Computerspiel unter dem Namen „Mahjong&ldquo gezockt, da gabs so einen elektrischen Majiangtisch, der automatisch die Steine mischt und ausgibt und sowas. Ich hab gepennt. Am nächsten Morgen natürlich total früh aufstehn, nochmal Duschen, Böllern, sich fast darum schlagen, wer zahlt und dann endlich weg. Das mit dem drum Schlagen wer zahlt ist übrigens andersrum als man denkt. Meine Gmama wollte ihrer Schwester das Geld zurückgeben, wogegen diese sich allerdings ziemlich rabiat wehrte. Unter großem Geschrei und Zuhilfenahme von Händen und Füßen gewann dann letztere und bezahlte also alleine.

Nun eine besondere Aktion. Die ASS(E)-Leutz um Peking fandens doof, dass besagte Organisation Spaßverbot ausgerufen hatte und dass der Monat Ferien ohne irgendeine Aktion verstreichen sollte. Also fragten wir, ob denn ASS(E) irgendwas plant. Manche Organisationen haben so etwas nämlich, ein sogenanntes „Midstay-Camp“, bei dem sich die Schüler in der Mitte des Aufenthalts nochmal treffen. ASS(E) in Form von Marina, meiner aktuellen Hassfigur, meinte, sie planen etwas, aber es gebe noch nichts genaues, sie werden uns Bescheid geben, sobald sich das ändert. Das war so zirka um Neujahr rum. In Deutschland wär das ja schon spät, nur einen Monat vor dem potentiellen Termin. Aber die Chinesen planen ja nicht so langfristig, also waren wir noch nicht misstrauisch. Das änderte sich , als die Ferien schon fortgeschritten waren. Immernoch hieß es auf Anfragen das gleiche, man werde uns sagen, wenn man neues wisse. Schließlich waren meine Erzeuger so freundlich, bei iST (die deutsche Orga) nachzuhaken. Die mussten dann auch noch nachhaken, und erst dann, über zwei Ecken hab ich erfahren, dass ASS(E) garnix plant. Also beschlossen wir, selber was auf die Beine zu stellen. Mithilfe eines „Independent Travel Release Form ASSE China“ verschafften wir uns vier Tage, in denen weder ASS(E) noch die Gastfamilie für uns verantwortlich war und ergo nicht über uns bestimmen konnte. Wir beschlossen, in Beijing in eine Jugendherberge zu ziehen und dann tierisch einen draufzumachen.
Die Jugendherberge heißt Leo-Hostel und ist sehr angenehm. Kommt natürlich nicht an deutsche Hygiene- oder Komfortstandards ran, man muss fünf Minuten warten, bis warmes Wasser aus der Dusche kommt. Aber sehr nette Angestellte und Gäste (alles Backpacker oder ähnliches, viele Skandinavier also), viele nette Sachen, wie gutes Essen oder öffentlicher Fernseher mit PC und viel kuhler Musik und Filme, Mehrere Ausflugangebote, relativ billig und zu den Zielen, die man auch echt mal sehn will, unbekanntes Mauerstück, Mongolei, Akrobatik und Pekingoper und so. Kostenloses Wlan in den öffentlichen Bereichen, kostenlose Internetcomputer etc.
Nachdem wir uns da einquartiert haben, sind wir abends schon auf die Suche nach 'nem Tanzschuppen gegangen und haben was ziemlich ätzendes gefunden. Leer, keine tolle Mucke und komische Leute. Witzige Anekdote: Aufgrund meiner langen Haare werde ich von einem Großteil der Chinesen noch immer für ein Mädchen gehalten. (Ich hab mir von mehreren deutschen Freunden versichern lassen, dass das absurd ist, nur zur Sicherheit xD). Aber das hat mir noch nie viel ausgemacht, ich fand es immer eher witzig, die Blicke, die unsicher zwischen mir und der Klotür hin und her wandern, durch die ich gerade gegangen bin. Oder der eine Betrunkene, der in die Toilette kam und wie versteinert stehen blieb als er mich am Pissoir sah, und offensichtlich dachte „Oh mein Gott, bei dem Mädchen da sind aber nicht nur die Haare komisch...“. Die witzigste Geschichte passierte aber in eben jenem Club. Auf der Tanzfläche nämlich, da war ein Typ, der sich ziemlich eindeutig für den größten Aufreißer Pekings hielt. Und der hatte dann ein Auge auf mich geworfen. Und kam dann an und tanzte mich an, seeehr aggressiv, Hüfte an Hüfte und mit zweideutigen Blicken. Ich musste mich beherrschen um nicht laut loszulachen.


Am nächsten Tag haben wir uns in der Gegend was umgesehen, sehr nett da. Um Qianmen rum.
Dann sind wir mit ein paar crazy Leuten aus USA/GB/Irland/Kanada gegangen und haben in einem viel besseren Club in Luisas Geburtstag reingefeiert. Sehr kuhl. Fast nur Ausländer, trotzdem vergleichsweise billig und so.
Zur Krönung haben wir in einem deutschen Restaurant gegessen, "Schindlers Tankstelle", und da hab ich erst gemerkt, wie sehr ich das deutsche Essen vermisst hab. Das war wie ein körperliches Bedürfnis, dass ich da verspürt habe, als ich das warme Brot mit der Butter in den Händen hielt. Und der Kassler... und die Spätzle... Und dass wir uns die chinesischen Sitten angewöhnt haben haben wir auch gemerkt. Tief überm Teller und die zu langen Spätzle nicht schneiden oder ganz auf die Gabel heben, sondern reinziehen, zusammen von einem Teller essen usw.
Sehr gutes Essen wars.

Obwohl ASS(E) merklich angepisst war, dass wir uns so selbstständig gemacht haben, haben wir beschlossen, dass das nicht die letzte Aktion dieser Art war. Angepisst bin ich von ASS(E) auch, wie man vielleicht merkt. Ich bitte um ein Kommentare à la „Mann, ihr tut mir leid mit so einer Kackorga, gut, dass ihr denen mal einen reingewürgt habt.“

Montag fängt die Schule wieder an. Und etwas anderes ändert sich auch. Jiaxing wechselt die Schule, denn er will seinem Englisch nochmal einen Schub verpassen, bevor er bald nach Kanada geht um zu studieren. Auf der anderen Schule schläft er im Dormitory (gibt’s da ein deutsches Wort für?), was dazu führt, dass ich in der Woche das Zimmer für mich hab und mit Gmama alleine bin. Bin mal gespannt wie das wird.

So. In Open Office bin ich jetzt am Ende der Seite drei, also ist dies auch mal wieder einer der längeren Einträge. Viel Spaß damit, nachträglich sozusagen.

23.2.08 06:39


2.2.08 14:55


Interessantitäten

Ihr merkt schon, ich mach das ganze hier getrennt, nach Themen. Wär sonst wohl zu viel. Ich mach dann mal weiter mit ein paar kleineren interessanten Erfahrungen (Gibt’s da eigentlich ein Nomen? Interessantitäten? Oder so?).

  1. Drogenprävention auf Chinesisch.
    Letztens in der Schule... bringt die Klassenlehrerin eine DVD mit einem Präventionsfilm gegen Rauchen mit. Nachdem es ein Dutzend Schüler geschafft hat, den Fernseher und DVD-Player in Betrieb zu nehmen (das ist seit ich hier bin nämlich erst zweimal geschehen, obwohl jede Klasse einen eigenen Fernseher hat), wurden wir zur Ruhe ermahnt und der Film begann. Begann wie das Klischee eines pädagogischen Präventionsfilms. Mit düsterer Musik, ganz offensichtlich furchtbar süchtigen und zerrütteten Individuen, die in dunklen Ecken nur schemenhaft erkennbar große, bedrohliche Rauchwolken ausstoßen. Doch das ist erst der Anfang. Wo in Deutschland bevorzugt auf schematische biologische Darstellungen zurückgegriffen wird, mögen es die Chinesen lieber praktisch. Also Tierexperimente. Zuerst wird einer süßen weißen Maus Nikotin gespritzt, worauf sie ein wenig panisch hyperaktiv herumrennt und dann tot umfällt. Okay soweit. In Deutschland eventuell noch vorstellbar. Doch dann, später, folgendes: Zehn (süße) weiße Mäuse in einem Plexiglaskasten, ein Anschluss an diesem Kasten mit fünf handelsüblichen Zigaretten und eine Fräulein Doktor Mengele mit Stoppuhr und Pumpe. Naja. Den Rest könnt ihr euch warhscheinlich vorstellen, die grausame Hexe pumpt, die Mäuse winden sich, springen am einzigen winzigen Luftloch (da wo die Pumpe ist) hoch, entleeren sich, zucken in Todeskrämpfen und verenden qualvoll, während die Dame auf die Stoppuhr schaut.
    Okay, ich verstehe, das Problem mit den Parallelen zu Vergasung und Holocaust ist wahrscheinlich ein rein deutsches, aber selbst ohne das würde kein Lehrer einen solchen Film in einer deutschen vergleichbaren Schule zeigen.
    Das merkwürdigste kommt allerdings noch: Die Schüler zeigten sich völlig ungerührt, ja lachten sogar über die so witzig springenden und zuckenden Mäuse. Sogar ein paar von den Mädchen. Bedrückt hat das niemanden, geschweige denn dass jemandem schlecht geworden wär. Fand ich krass. Wie wohl deutsche Schüler reagiert hätten?

  2. Morgensport
    Ich bin der tollste! Ich bin beim Morgensport in der Schule derjenige, der vor der ganzen Klasse steht und vorspackt, was die nachspacken sollen! Das bin ich nicht freiwillig geworden, so wie sich hier Freiwilligkeit und Schule sowieso gegenseitig ausschließen. Sondern ich hab einfach mitgemacht, womit ich schon unter meinen Mitschülern heraussteche und prompt von meiner Klassenlehrerin ohne um meine Meinung zu fragen nach vorne beordert wurde. Am Anfang war's mir unangenehm der erste unter Gleichen zu sein, ich wollte gleich unter Gleichen sein. Aber man gewöhnt sich dran, und man wird hier auch nicht als Streber betitelt. So gut wie nie, egal was man macht. Was dazu führt, dass Schüler ihre Lehrer massieren... Ó_ò

  3. Einkaufen
    Wenn man hier einkaufen geht, ist das etwas ganz besonderes, vor allem wenn es nicht um Supermarkteinkäufe sondern um größeres geht. So bei meiner Jacke zum Beispiel. Ich bin in den Laden hineingegangen und sofort standen mir zwei Mitarbeiter zur Verfügung, die allerdings nicht nur daneben stehen und kleine Ratschläge geben und auf Fragen antworten, so wie es in Europa in sehr edlen Geschäften üblich ist, sondern mir vielmehr jedes einzelne Kleidungsstück, das verfügbar ist, vorschlagen, anziehen, in jedem Fall als sehr gut bewerten und dann warten, ob ich kaufe. Wenn ich mehr als drei Sekunden nichts sage, schlagen sie mir das nächste vor. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl, ich fühle mich bedrängt und nicht frei in meiner Entscheidung.
    Noch schlimmer ist es in großen Malls, wo ganz viele kleine Läden Dinge verkaufen, die meistens kein Mensch braucht. Manchmal auch Kleidung oder Elektrogeräte. Jedenfalls, wenn man da durchgeht (vor allem als Ausländer), fangen sie an, einem Dinge wie „Lookilook!“ (was witzigerweise wahrscheinlich vom chinesischen „看一看” kommt) „very cheap!“ und die Namen des Ramsches, den sie verscherbeln, zuzurufen. Wenn man dann näher kommt und schaut, breiten sie siegesgewiss schonmal all ihre Ware auf den Glastresen aus und erzählen einem die Preise, die in den meisten Fällen 500% des Preises für Chinesen betragen, ohne dabei „very cheap“ wegzulassen. Mich persönlich hält das vom Kauf eher ab und da ich glaube, damit nicht allein zu sein, wundert mich, dass die sonst meist so geschäftstüchtigen Chinesen das noch nicht verstanden haben.

So, das wars dann auch mit Anekdoten, und ich glaube auch dass es das erstmal für heute war, ich hab' heute vier Seiten geschrieben. Geht bald weiter, keine Angst.

29.1.08 10:21


Gude Laune, Feierei!

So. Liebe Fans, ihr habt mich ja alle schrecklich vermisst, ich weiß. Und es tut mir auch echt leid, dass ich jetzt erst schreibe.
Hatte irgendwie lange keine Lust, trotz eurer aufmunternden Kommentare. Hier mal ein kurzes Dankeschön an alle, die das hier lesen und kommentieren. Ich fühle mich geehrt von eurem Interesse. =)

Jetzt ist es schon so lange her, ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. Ich denke, bei den Feiertagen. Da fragten und fragen viele nach.

Also. Weihnachten. Weihnachten wird in China nicht gefeiert, denn vielleicht ist ja einigen noch geläufig, dass es ein christliches Fest ist. China ist kein christliches Land, vielmehr... äh. Nun ja, ich erleb vor allem Atheismus. Kein Weihnachten also, nein, während der Weihnachtsfeiertage ist sogar Schule. Das konnten wir natürlich als unglaublich fromme gläubige Christen nicht auf uns sitzen lassen, und so haben die Austauschschüler aus Yanqing bei ASSE darum gebeten, den Tag frei zu bekommen und in die Kirche zu gehen und ein bisschen zu feiern. Das hab ich mitbekommen und bin auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Was zugegebenermaßen nicht besonders schwierig ist, denn die Planungszüge von ASSE, wenn man bei der Metapher bleiben möchte, fahren ziemlich langsam und mit vielen Stopps. Und so trafen wir uns am 24. Dezember in Wangfujing (王府井, der größten und witzigsten Einkaufsstraße Pekings. Dort gibt’s unglaublich viele Geschäfte und Malls und Restaurants undsoweiter, alles zu fast europäischen Preisen. Begleitet von zwei ASSE-Wärtern quartierten wir uns dort in ein kleines Hotel ein.

Danach gingen wir raus und schauten uns die Kirche an, in der wir am nächsten Morgen am Gottesdienst teilnehmen sollten. Fotos davon findet ihr auf Pixum, im dritten Album. Genau so habe ich mir immer eine Missionarskirche vorgestellt und ich schätze mal, das war eine. Als wir die ASSE-Wärter anschließend fragten, ob wir uns unabhängig machen dürfen, schienen sie nicht besonders unglücklich und gewährten uns sogar eine sehr großzügige Ausgehfrist. Also erstmal was essen. Let me apologize to begin with... Ja, ich geh gern in großkapitalistische böse Wessi-Lokale in China. Zum Beispiel beim großen goldenen M oder beim netten Onkel aus Kentucky oder bei der Dame im grünen Kreis mit den Sternchen. Das liegt daran, dass ich hier jeden Tag chinesisch esse. Und stellt euch vor, man merkt es währenddessen nicht, aber man vermisst das Wessi-Essen. Und wenn sich dann die Gelegenheit bietet... Tut mir leid... Ich verspreche, wenn ich wieder in Deutschland bin, ganz viel in kleine Familienbetriebe zu gehen und die bösen, bösen imperialistischen amerikanischen Ketten eine Weile zu boykottieren. Nachdem ein paar von uns also ein Burgerchen gegessen haben, stürzten wir uns in das wilde Treiben auf der Wangfujing. Denn da gibt es auch ziemlich... interessantes Essen. Eine seeeehr lange Reihe von kleinen Ständen, an denen gebratene aufgespießte Teile von Tieren verkauft werden. So ziemlich alle Tiere, alle Teile. Gesehen haben wir alle möglichen Insekten und Wasserviecher, Innereien und Penisse und ganz viel Zeug, wo wir lieber nicht gefragt haben, was es ist. Gegessen haben wir einen Emuspieß, der ganz gut war. Einen Spieß mit etwas, das aussah wie Kokons von irgendwelchen Insekten. Sehr eklig, ich hab so ein Ding ganz in den Mund genommen und draufgebissen, was es allerdings nicht erwartungsgemäß in zwei Hälften teilte sondern das halbflüssige Innere an beiden Seiten heraus und in meinen Mund spritzen ließ. Uäh! Oder „beurk“ wie Mathilde sagte, als sie bemerkte, dass an dem Tintenfischspieß, an dem sie gerade kaute, noch die Augen waren. Sogar Döner hab ich gefunden, davon müsste auch ein Foto im Album sein. Leider hatte ich keinen Hunger, sonst hätte ich sicher einen internationalen Vergleich anstellen können.

Bemerkenswert war die schiere Menge an Menschen, die an einem normalen chinesischen Arbeitstag abends durch Wangfujing lief. Und es wurde nicht weniger, je später es wurde, eher mehr. Weil das irgendwie angesagt zu sein schien, kauften wir uns sowohl Weihnachtsmannmützen als auch leuchtende Teufelshörner, die ironischerweise an Weihnachten in der Fußgängerzone verkauft wurden. Stilsicher machten wir also die Malls, Fressmeilen und den riesigen Fremdsprachenbuchladen unsicher, bis wir dann zur vereinbarten Zeit pünktlich wieder in unserem Hotelzimmer waren und dort das eigentliche Weihnachtsfest begingen. Wer seine Geschenke von zu Hause mitgebracht hatte, packte sie dort aus, wir aßen Plätzchen, Lebkuchen und Marzipan und Schokolade und so Zeugs, sogar eine Kerze stand auf dem Tisch. Bis früh am Morgen saßen wir noch dort und unterhielten uns.

Viel zu früh mussten wir am nächsten Morgen aufstehen und zur Kirche gehen. Als wir dort ankamen, waren wir erstmal irritiert, denn die Kirche war schon proppenvoll mit Chinesen, die auf diesen Kniebalken knieten und chinesische Kirchenlieder sangen. Aber nicht lang. Dann standen sie alle auf und gingen. Wieder waren wir irritiert, denn eigentlich waren wir doch pünktlich?! Jedenfalls rissen wir uns eine der Bänke unter den Nagel und warteten, schließlich waren nicht alle gegangen. Gut so. Ein paar Minuten später begann der Gottesdienst. Ein Priester kam und redete. Vier von uns Fünfen hatten überhaupt keinen Plan, was grad vor sich ging. Luisa ist die einzige von uns, die erstens katholisch ist und zweitens sogar einigermaßen gläubig und kirchenerfahren. Trotzdem war es nicht einfach. Die Reihenfolge schien komisch zu sein. Und gesungen wurde garnicht. Offensichtlich war das Singen davor, separat. Zwischendurch hat auch die Gemeinde was gesagt und wir haben jedesmal gerätselt, ob das jetzt das Vaterunser, die Fürbitten oder sonst etwas ist. Verstanden hab ich nix von der Predigt. Nur „shengdanjielaoren“ (Weihnachtsmann), „nikelao“ (hehe, ratet mal) und „yesu“, woraus ich schloss, dass der Priester den Zusammenhang zwischen all dem erklärte, was ja durchaus nicht verkehrt ist. Meine Gastmutter dachte, der Weihnachtsmann sei identisch mit Jesus. Und das ist ja noch nichtmal so ein abwegiger Gedanke. Weiterhin merkwürdig für uns war das ständige Kommen und Gehen der Gemeindemitglieder, und dass sich niemand daran gestört hat. Aber im Nachhinein ist es völlig logisch, denn es war ein Dienstag Vormittag. Kein Feiertag. Also hat ein Großteil der Chinesen nicht genug Zeit, um einem kompletten Gottesdienst beizuwohnen und man kann froh sein, wenn man zehn Minuten konzentrierte Spiritualität mitbekommt. Insgesamt also eine interessante Erfahrung.
Unser verbliebenes Weihnachten ließen wir im nächsten Starbuckscafé ausklingen.

Wow. Weihnachten fertig. Silvester. Erstmal der 29. Dezember. Obwohl das ein Samstag war, hatte ich Schule, denn es sollte ein Fest stattfinden und die Chinesen sind nicht so großzügig mit wertvollen Schultagen wie unsereins. Dafür war dann Silvester frei, obwohl das eigentlich auch kein Feiertag ist. Bei diesem Fest jedenfalls saßen alle in der großen Halle der Schule und dann gab es verschiedene Beiträge der Schüler. Was uns die Tanzbeiträge sind, sind hier die Gesangsbeiträge: peinlich, überbewertet (aber nur von den Protagonisten) und völlig überflüssig. Denn von den Chinesen in meinem Alter halten sich ungefähr achtzig Prozent für überdurchschnittlich gute SängerInnen, wobei die Mädchen überraschenderweise nur wenig in der Überzahl sind. Also gab es sieben Gesangsbeiträge, zwei Sketche und einen Bandauftritt. Als die Band auftrat, hatte ich ein wenig Angst vor den üblichen chinesischen kitschigen Liebesliedern. Zu meiner Überraschung spielten sie Nirvana, und die Instrumente waren sogar gut. Die Sängerin war eine von denen, die nur zu Unrecht denkt, gut zu sein. Und außerdem schien sie den Text nur durch Hören gelernt zu haben, ohne die Worte auseinander halten, geschweige denn verstehen zu können. Was sich witzig anhörte, etwa so, wie wenn kleine Kinder Popsongs aus dem Radio mitsingen ohne englisch zu können.

Nun. Wo ich grad von Feier in der Schule erzähle, schweife ich mal etwas ab, zu einer kleineren Feier in der Klasse, die schon länger her ist. Das war ungefähr die unspaßigste Feier, an der ich jemals die Ehre hatte, teilnehmen zu dürfen. Zuerst wurde die Tafel wunderschön bemalt, mit Blümchen und so'n Kram, dann mussten alle ihre Schuluniform anziehen und zwar richtig, mit Reißverschluss zu bis zum Hals und nix drüber. Dann im Kreis sitzen. Und zwar richtig, gerade sitzen, Beine nicht überschlagen, nicht miteinander reden, Handys einstecken. Dann wurde am Lehrerpult ein Computer aufgebaut und darauf ein Film abgespielt, der niemanden interessierte und den man auch nicht verstanden hätte, wenn, denn der Ton war zu leise und das Bild lief auf einem 17-Zoll-Monitor, auf dem Windows Media Player, noch nichtmal im Vollbildmodus. Als diese lächerliche Vorstellung endlich beendet war, lasen erst zwei Schüler eine Rede vom Blatt ab, die ihnen wahrscheinlich vom Lehrer diktiert wurde, so voll von pathetischen Lobgesängen auf Lernen im Allgemeinen und diese Schule im speziellen und diese Klasse im noch spezielleren war sie.
Danach standen auch zwei hospitierende Lehrer auf und erzählten, wie vorbildlich diese Klasse sei und dergleichen mehr. Obwohl jeder wusste, dass wir die schlimmste Klasse sind und dass unser vorheriger Klassenlehrer uns gerade abgegeben hatte, weil er uns nicht mehr ertragen konnte. Zum längst fälligen Abschluss dieser Komödie trat noch einer derer auf, der von sich denkt, gut singen zu können, wurde unangemessen viel gelobt und bejubelt und vorbei war die ganze Chose.

Endlich das richtige Silvester: Mein Bruder und ich saßen am Computer und spielten sinnlose Spiele oder surften durchs Internet, als die Uhr 00:00 anzeigte und wir uns gegenseitig ein „新年快乐“ („Frohes Neues&ldquo zumurmelten, nicht zu laut, denn meine Gasteltern schliefen schon, war ja schließlich spät. Achja, ein paar Böller konnte man hören. Sporadisch. Ihr seht, nicht so allererste Priorität, Silvester hier.

Bald ist hier chinesisch Neujahr, am 7. Februar fängt's an. Das wird wohl etwas größer begangen. Ich bin schon gespannt. Ihr könnt euch auf einen Bericht freuen, wenns vorbei ist.

29.1.08 09:27


...

So, morgen ist es einen ganzen Monat her dass ich was geschrieben hab.

Aber. Ich hab grad irgendwie sauwenig Bock, was zu schreiben. Tut mir leid. Ich denk mal das kommt wieder =) Schreibt mir weiter emails, wenn ihr euch informieren wollt.

Also, ein frohes neues Jahr allen, die das lesen

Mir gehts gut, keine Sorge, alles im Lot und im grünen Bereich,

Liebe Grüße,

Felix 

1.1.08 10:09


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