Startseite
    April/Mai
    Februar/März
    Dezember/Januar
    Sonstiges
    Oktober/November
    August/September
  Über...
  Archiv
  ASSE
  Die Chinesen...
  Sex
  Essen
  Fotos
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


Webnews



http://myblog.de/frittenkopf

Gratis bloggen bei
myblog.de





Über

Joa, ich bin der Felix. Frittenkopf. Wegen der Fritten auf dem Kopf.

Dieser Blog behandelt (wie schon woanders geschrieben) mich. Und meinen 10monatigen Aufenthalt im Reich der Mitte. Und was mir sonst noch einfällt, was ich dem geneigten Leser mitteilen möchte.

Alter: 26
aus: 53332 Bornheim
 
Schule: AvH-Gymnasium in Bornheim
Universität: Tsinghua Zhiqing High School in Beijing, HaiDianDistrict

Ich mag diese...
Musiker: Die Ärzte, The Levellers, SoAD, Billy Talent, Linkin Park, Farin Urlaub, Stone Sour, Eric Clapton uvm.
Lieder: Außerdem "Hey There Delilah" von Plain White T's. Und noch ein paar andere, die mir gerade nicht einfallen.
Filme: Matrix, Das Leben des Brian, Herr der Ringe, 23, die fetten Jahre sind vorbei...
Bücher: "Der Verdacht" (Dürrenmatt), "Der Schwarm" (Schätzing) "Der zwölfte Engel" (Kerr)
Zum Beispiel...

Autoren: Grisham, Gablé, Mankell... Ach ja, Geheimtipp: Philip Kerr!
Sportarten: Volleyball, Handball, Badminton, Tischtennis... Davon beherrsche ich nur... äh. Volleyball. Ein bisschen.
Hobbies: Stamm Sperber! Bass spielen. Volleyball.
Hobbies sind hier drüben natürlich eingeschlafen, mal sehen, welche ich wieder aufwecke...

Orte: Das 5 Sterne-Oslo. Zuhause. Meistens die Schule.

Und... die ganze Welt. Davon schon erlebt: Norwegen, Estland, Slowenien, Frankreich, England, China, Thailand (naja, da war ich noch ziemlich klein...) , Malaysia (da auch), Kroatien, Italien, Holland, Belgien...

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich schon ziemlich sexy...

Wenn ich mal groß bin...:
werd ich noch sexier sein!

In der Woche...:
muss ich um 5:15 aufstehen. (hier. Zuhause nicht.zum Glück)

Ich wünsche mir...:
Ein schönes Auslandsjahr. Und dass mir meine Freunde in Dland erhalten bleiben.

Ich glaube...:
nicht an Gott. Aber irgendetwas muss da sein.

Man erkennt mich an...:
den Fritten

Ich grüße...:
den geneigten Leser

Ich bitte Dich:
In mein Gästebuch zu schreiben und, wenn dir danach ist, einen meiner Einträge zu kommentieren.



Werbung



Blog

Aktuell?

Ich hab jetzt schon echt lange nix mehr geschrieben. Zwei Wochen seit dem letzten Beitrag und noch länger seit dem letzten, der sich mit etwas aktuellem beschäftigt. Deswegen kommt der zwar heute, ist aber nicht nur aktuell, sondern auch mit älteren Aktualitäten vollgestopft.

 Vor einiger Zeit hat sich folgendes im Hause Zhang zugetragen: Ein befritteter Westler wollte für seine unbefritteten asiatischen Familienmitglieder kochen, wie man es in des Frittenkopfs Heimat tut. Schnitzel mit Kartoffeln und Salat. Dafür musste natürlich erstmal eingekauft werden, was sich als langwieriger als gedacht herausgestellt hat. Denn obwohl meine liebe Gastmutter und Jiaxing beide keine Ahnung vom westlichen Kochen haben und das auch wissen und zugeben, gibt es anscheinend einige Dinge, die als allgemeingültig gesehen werden. So durfte ich mir das Fleisch nicht selber aussuchen, sondern musste auf ihren Rat hören, der das eine Stück Fleisch, das zwar identisch aussah dennoch vom anderen zu unterscheiden wusste. Auch die Kartoffeln bedürfen präziser Auswahl, es gibt nämlich mehlige und nichtmehlige und eine von beiden Sorten ist laut Gmama essbar, die andere kaum. Ich wollte aber die andere. Schließlich haben wir beide gekauft. Und so weiter. Schließlich hatten wir einen Haufen Lebensmittel gekauft, der Preis für alles belief sich auf 140 Yuan, was 14 Euro sind und meine Begleiter kräftig schlucken ließ. Dabei waren übrigens auch Messer und Gabel, weil beides hier zuhause nicht benutzt wird und ergo nicht vorhanden ist.

Zuhause angekommen, machte ich mich gleich an die Arbeit, interessiert von zwei Augenpaaren beobachtet. Nun ja, ich fands sehr lecker, Jiaxing fands gut und seine Mutter hat keinen Kommentar abgegeben^^. Die Kartoffeln sind aufgeplatzt, warum weiß ich nicht, das ist mir in Deutschland nie passiert. Auf anfängliches Unverständnis stieß, dass ich nicht vorhatte, den Salat zu kochen oder sonstwie zuzubereiten, sondern ihn nur zerrupfte und mit Gurken- und Tomatenscheiben in eine Schüssel gab und eine Soße darüber goss. Das war allerdings schließlich das, was am besten aufgenommen wurde, Jiaxing war sehr begeistert und Gmama schien es auch zu mögen, da sie sich später auch einmal daran versucht hat. Eine gelungene Aktion insgesamt also.

Zwischendurch gab es die Prüfungen für alle Schüler meiner Schule (eigentlich auch für die Restchinas, aber an anderen Terminen). Das waren zwei schöne Tage, denn ich musste nicht zur Schule gehen. Allerdings wurde ich trotzdem intellektuell und vor allem nervlich gefordert, und zwar von Jiaxing. Er hatte nämlich Angst vor seiner Englischprüfung (zu Recht, wie sich herausstellen sollte) und bat/befahl mich/mir, ihm per SMS dabei zu helfen. Was ich natürlich gerne zusagte. Schüler aller Welt sollten zusammenstehen, wenn es um Pfuschen und Anstrengungsvermeidung geht. Und so kam es dann auch. Ich erhielt SMS mit Testfragen und beantwortete diese mit den passenden Antworten. Allerdings habe ich damit gerechnet, dass Jiaxingschatzi sich in einem äußersten Zweifelsfall an mich wendet, wenn er sein Gehirnschmalz schon bis zum letzten Englischtropfen ausgewrungen hat. Ha! Nix da, der gute schreibt mir nahezu alle Testfragen und erwartet außerdem, dass ich sie möglichst schnell beantworte, was er mit einem „quickly!“ in seinen SMS unterstrich. Als ich dem nicht nachkommen konnte, weil ich Handytipplegastheniker bin, rief er mich an (beeindruckend, dass man anscheinend in einer Prüfung unterm Tisch telefonieren kann, ohne dass der Lehrer das merkt und bestraft). Flüsternd, wegen benanntem Lehrer, diktierte er mir Aufgabenstellungen Buchstabe für Buchstabe, worauf ich ihm die Lösung buchstabieren sollte. Wer schonmal mit jemandem telefoniert hat, der in sein Handy flüstert, weiß, dass das an sich schon schwer ist. Wenn der andere aber auch noch so schnell und undeutlich buchstabiert, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, etwas zu verstehen. Als ich ihm das erklärte, reagierte er relativ ungehalten. Den krönenden Abschluss bildete eine SMS „Write a short essay about High School Students having jobs and earning pocket money – 40 Words okay, quickly!“ Dass ich das in einer SMS nicht leisten könnte, fiel ihm anscheinend garnicht ein. Also hab ichs im geschrieben.

Wie zu erwarten war, hatte er 36/100 Punkten in dieser Prüfung eingesackt. Wofür er zumindest teilweise anscheinend mich verantwortlich machte, denn hinterher sagte er mir, wenn er das gewusst hätte, hätte ich mit zur Schule kommen müssen und ihm durchs Fenster helfen müssen. Spätestens dann dachte ich mir, dass ers eigentlich nicht anders verdient hat.

Nächstes Thema: Sein Geburtstag. Der war am 03. November und wurde mit einem Restaurantbesuch begangen. Ich habe ihm ein Bayern-München Fan-Tshirt geschenkt, worüber er sich freute wie ein Schneekönig. Bei dem Restaurantbesuch waren seine Mutter und Großmutter sowie drei Freunde und ich dabei. Das Essen war nicht spektakulär, aber zwei Dinge waren bemerkenswert und auf die möchte ich hier eingehen. Das waren der Wein und die Torte.

Ersterer war anscheinend teuer gewesen, ein edler chinesischer Rotwein (sagten Jiaxing und Kumpanen, ich kann das nicht beurteilen). Selbst mitgebracht ins Restaurant. Das allein ist für mich natürlich schon befremdlich, dann aber auch noch die Kellner und den Geschäftsführer zu kritisieren, weil nicht mehr als drei Rotweingläser im Haus sind, fand ich schon sehr komisch.
Im Gegensatz zu mir und allen anderen, glaubte einer von Jiaxings Freunden, sehr viel Ahnung vom Rotweintrinken zu haben. Also machte er ein unglaubliches Geschiss, beanspruchte den Job des Mundschenks und Weinberaters ausschließlich für sich und erklärte allen, was sie zu tun hätten. Und das war vielfältig, er goss sehr wenig Wein ein und schwenkte, schüttelte und ließ stehen, roch, nippte, wiederholte das ganze, rollte schließlich sogar das Glas auf dem Tisch. Das nervte mich ungemein, aber lachen musste ich später, als ebendieser Weinkenner befand, das Getränk sei ihm zu sauer (was, verglichen mit chinesischen Alkoholika auch nicht besonders schwer ist) und als Konsequenz den guten Wein mit Sprite verdünnte, was sogar ich, der ich keine Ahnung habe, als Verbrechen erkenne.

Zur Torte. Die sah sehr... amerikanisch aus, groß und voll mit Sahne, Früchten und viel undefinierbarem Schmier. Sie stellte sich als Buttercremetorte heraus, die hielt, was ihr Name und ihr Ruf verspricht, nämlich unglaublich schwer im Magen zu liegen und seehr fett zu sein, sodass ich noch nichtmal ein Stück essen konnte. Ansonsten war sie aber lecker. Das und die doch bessere Örtlichkeit hielten Jiaxings Freunde allerdings nicht davon ab, diese Torte als Abschluss in seinem Gesicht zu verteilen und eine kleine Tortenschlacht abzuhalten.

Wieder an der Schule, musste ich erschreckendes feststellen. Zwei meiner Mitschüler entblödeten sich nicht, Hakenkreuze hinten auf ihre Schuluniformen draufzumalen, teilweise in Herzen gerahmt und ziemlich beiläufig, wenn nicht sogar befürwortend. Mir wird wirklich physisch schlecht, wenn ich das sehe und hege jetzt einen Groll gegen diese beiden meiner Mitschüler, der aber an sich durch deren Charakter schon berechtigt genug wäre.
Als ich sie fragte, was das ist und soll, meinte der eine nur, „das habe ich gemalt“ und der andere meinte das sei lustig und interessant (was sich im Chinesischen nur schwer unterscheiden lässt, das Wort ist das gleiche: 有意思)
Bei dieser Frage hab ichs erstmal belassen, aber wenn es sich ergibt, werde ich denen mal ein wenig den Kopf waschen.

Gestern war ich (relativ kurzfristig) auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft Peking. Eine insgesamt sehr gelungene Efahrung für mich. Ich weiß jetzt, wie man zur Botschaft kommt, was sehr zeitintensiv aber unglaublich einfach ist. Ich habe gaaaanz viele Deutsche und andere Ausländer gesehen. Alles war da, Italiener, Deutsche, Franzosen, Engländer, spanisch hab ich auch gehört, Chinesen und ein paar Amerikaner glaubich auch. Das war wirklich wie auf dem Weihnachtsmarkt, nur doppelt so voll (und natürlich kleiner und so).  Ich musste eine halbe Stunde anstehen, weil nur Leute reingelassen wurden, wenn welche rausgingen. Anders als zu erwarten waren die Sicherheitsleute nicht grummelig und genervt von den unglaublich vielen Leuten an einem kalten Tag, sondern fröhlich, mit Weihnachtsmannmützen und immer für ein Späßchen aufgelegt ("Soso... Felix Bode, 16. Na dann mal rein mit dir, sauf nicht zuviel Glühwein!" Auch sonst eine sehr nette Atmosphäre, was zum Teil wahrscheinlich auch dem Klientel der Langnasen entspringt, die nach China gehen. Schon von den Klamotten her: Gaaanz viel "The North Face", "Jack Wolfskin" und Öko-Ethnohippiefransenklamotten und fast garkeine "Gucci", "Dolce&Gabbana" etc. Natürlich alles schweineteuer, noch teurer als auf einem deutschen Markt, aber dafür auch ausschließlich für gemeinnützige Organisationen im Raum Peking. Habe ein bisschen Weihnachtsmarktflair genossen, mit Glühwein, Fleischbrötchen mit ketschapp und senf und Kakao und Kuchen und so weiter.

Nun einmal ein kleiner Absatz zu meiner Selbstständigkeit. Damit ist es, verglichen mit Deutschland nicht weit her. Aber es hat sich schon gebessert. Ich kann mich in Peking mittlerweile frei bewegen und dank einer ÖPNV-Dauerkarte, die ich jetzt endlich habe, ist das auch erheblich unkomplizierter geworden. Aber leider gelten immernoch die ASSE-Regeln, die meine Familie leider als bindend betrachtet, das heißt, ich darf nur zuhause schlafen, muss um 10 zuhause sein etc. (Jiaxing übrigens auch, obwohl er 19 ist. Wenn er um 20:00 nach Hause kommt, kriegt er schon Ärger von seiner Mutter.) Diskos werd ich wohl nie von innen sehen, obwohl mir das schon einige Deutsche empfohlen haben. Außerdem habe ich keinen Schlüssel. Und nicht das Gefühl, dass sie das ändern wollen. Also werde ich wohl demnächst mal danach fragen, denn gestern musste ich schon zum zweiten mal vor der Tür warten weil Jiaxing weg und seine Mutter einkaufen war. Ich hab Schiss davor, zu fragen...

Die Gratwanderung zwischen Anpassung und Selbstbestimmung/-behauptung fällt mir sehr schwer. Normalerweise bin ich mit Kritik an Regeln und System ja nicht so zimperlich, aber sonst habe ich auch meistens mehr Rückhalt von irgendwo und sonst hängt auch nicht soviel davon ab.

Das ist schon wieder ziemlich lang geworden... Und ein zwei kleinere Sachen fallen mir sogar noch ein, die ich schreiben könnte. Mach ich aber jetzt nicht, weil ich keine Lust habe und die auch nicht so wichtig sind.


2.12.07 05:43


Drei Monate...

Uuh, heute ist der Tag, an dem ich seit 3 Monaten aus Deutschland raus bin. Am achtzehnten August zweitausendundsieben um achtzehn Uhr fünfundzwanzig bin ich in den Flieger von Köln/Bonn nach Kopenhagen eingestiegen. (Ab wann schreibt man Zahlen eigentlich groß?)

Ist die Zeit schnell vergangen? Fragen ganz schön viele. Hmm. Nicht einfach zu beantworten. Ich fühl mich, als wär ich schon ewig hier, aber andererseits noch neu. Sozusagen. Und während die Zeit vergeht, vergeht sie schnell. Sozusagen. Also interpretiert einfach selbst diese wirren Sätze und denkt euch, wies mir geht.

Womit ich dazu komme, welche glorreichen Bereicherungen mein Leben dadurch gewonnen hat, bis jetzt. Also erstmal werde ich ein Viereck nie wieder so aus der Hand zeichnen wie vorher. Mal sehen, wer versteht warum :-P
Als zweites, weniger banales; Ich habe Deutschland schätzen gelernt. Ich wusste immer, dass ich mich glücklich schätzen kann, in Deutschland zu leben und nicht in Palästina oder im Sudan oder so. Aber jetzt weiß ich, dass Deutschland echt kuhl ist. Man ist freier als Jugendlicher, die Pädagogik und gesellschaftliche Verhaltensformen sind nicht so starr, die Didaktik, wenn auch nicht perfekt, erlaubt uns, Freizeit und Spaß zu haben, ohne dass wir dadurch automatisch zu vollkommen minderbemittelten Schwachköpfen werden. Wir dürfen eine eigene Meinung haben, und das schon sehr früh. Wir haben Mitwirkungsrecht in der Schule.
Dinge sind besser organisiert und laufen zwar über mehr Wege, aber wenn man sich daran gewöhnt hat auch schneller. Ich glaube, Solidarität wird höher gehalten, man verpetzt sich in der Schule nicht. Und es gibt weniger Prügeleien^^
Das Standardbett ist weicher :-P Ich kann so lang duschen wie ich will. Ich hab ein eigenes Zimmer^^

 Nu denkt ihr, Oh Mann, der Felix hat ja jetzt schon genug, dabei sind erst drei Monate rum. Neeein, das ist Quatsch. Genug hab ich noch lange nicht, denn ich muss ja noch einen Haufen Vorteile an China finden. Ich hab natürlich auch schon welche, hier sind sie:

Der Staat achtet fürsorglich darauf, dass du die richtige Meinung hast und auch damit zurückhaltend bist. Das ist aber auch zu schwierig zu verstehen, mit Demokratie und so :-P
Nee, mal ernsthaft. Die Lernkultur ist viel besser, Hausaufgaben werden öfter gemacht, man lernt mehr und kommt im Unterricht schneller voran, soweit ich das beurteilen kann (Die Neue-Formel-Frequenz im Matheunterricht ist höher als in Deutschland^^) Sachen sind billiger (für mich, höhö^^), öffentliche Verkehrsmittel und Handygebühren zum Beispiel. Alles andere natürlich auch, aber das ist das, wo ich in Deutschland den größten Nachteil sehe.
Überall gibt es hier die Straßenhändler, die einen zwar oft über den Tisch ziehen wollen, aber sehr atmosphärish sind und was mir sehr gefällt, im Gegensatz zu den sterilen Straßen in Deutschland. Auch die Essstände, Süßkartoffeln auf einem alten Fass in dem Kohlen brennen. Ich würde diese Hygienedefizite zugunsten der Atmosphäre und der allgegenwärtigen Fratzverfügbarkeit in Deutschland gerne auf mich nehmen.
Man ist Ausländern gegenüber seehr zuvorkommend, viel mehr als in Deutschland wo allenthalben "Kulturverfall" und "Integrationspflicht" geschrien wird.
Jungs und Mädchen haben zwar nix miteinander zu tun, so rein freundschaftsmäßig, dafür sind Jungs-Jungs-Freundschaften viel intensiver. Man redet sogar über seine Gefühle und das relativ früh in einer Freundschaft und sehr offen. Das hat mich erst abgeschreckt (und tut es bei einigen Themen immer noch), aber ich glaube, ich lerne das zu schätzen.

Soviel als aktuelle Bilanz. Vielleicht mach ich das ja später nochmal und vergleiche. 

 

18.11.07 08:37


Schule

Hier kommt er, der Eintrag, der sich ausschließlich mit Schule befasst, denn da fragen viele nach.

Wie fang ich an...

Meine Schule ist eine kleine Schule, für chinesische Verhältnisse. Grob von mir geschätzt fünfhundert Schüler. Normalerweise sind Schulen hier wesentlich größer, eigentlich schon Schulkomplexe, oft mit mehreren Schulformen auf dem Gelände. Dagegen ist meine Anstalt, äh, Schule schon süß. Eine Handvoll einstöckiger Gebäude in hübschem Gelb und ein Schulhof mit sechs Basketballkörben, eingezäunt und mit einem Eingang erinnern nur entfernt an eine Kaserne sondern vieeel mehr an einen Ort stetiger jugendlicher Freude.

Damit diese nicht von außen oder durch die Jugendlichen selbst getrübt wird, müssen natürlich einige Regeln aufgestellt und Maßnahmen zur Sicherstellung deren Einhaltung getroffen werden. Als erstes wär da der Sicherheitsmensch am Eingang, der schaut wer rein und raus geht. Und, falls das während der Schulzeit geschieht, die Erlaubnis zum Verlassen überprüft und die betreffende Person in eine Liste einträgt.
Dann gibt es natürlich eine Reihe Regeln, die egal ob geschrieben oder nicht, gültig sind. Zum Beispiel darf man das Schulgelände nicht während der Schulzeit verlassen. Rauchen und Trinken darf man auch nicht, man soll Lehrpersonal und Mitschüler achten, genauso wie Volks-, äh ich mein natürlich Schuleigentum und das anderer. Hmm. Sowas kennt man doch aus Deutschlands Schulen auch. Richtig.
Aber dass man sichtbar keine Beziehung führen darf und dass die Elftklässler (also 高二) nicht die gleiche Tür in den Essenssaal benutzen dürfen wie die Zwölftklässler, auch wenn dort die Schlange ein Viertel so lang ist, kennt man nicht aus Deutschland. Oder dass beim Morgensport unbedingt Reih und Gied eingehalten werden muss, wobei es irrelevant ist, wie sehr man den eigentlichen Sport mitmacht. Oder dass der Teller leergegessen werden muss. Auch sind mir die Gründe dafür ganz und gar nicht ersichtlich.
Um die Einhaltung dieser Regeln zu gewährleisten, wurden vor kurzem Überwachungskameras allererster Qualität an der Schule installiert. Wie die aus den Filmen, die man ferngesteuert schwenken kann und so.
Desweiteren gibt es ein paar Lehrer, die immer einen Notizblock dabei haben, auf dem sie etwaige Verstöße notieren.

Anders als man jetzt denken könnte, sind die Schüler übrigens trotzdem keine willenlosen Maschinen, die blind jeder Regel folgen die sie gestellt bekommen. Im Gegenteil. Sie widersetzen sich blind diesen Regeln :-)
Disziplin ist hier also in hohem Maße gefordert und kaum gegeben.

Womit ich zum Unterricht komme. Der Lehrer steht vorne und redet. Die Schüler hören bestenfalls zu, schlafen schlechtestenfalls. Eine Sitznachbarin von mir telefoniert im Unterricht per Headset mit dem Handy. Eine zeitlang hab ich mich gefragt, mit wem sie da eigentlich redet. :-D Schlafende Schüler werden am von ihren Sitznachbarn entweder noch rechtzeitig geweckt, oder vom Lehrer am Ohr gezogen, mehr oder weniger sanft geweckt oder mit Kreide beworfen.

Das hat mich erschreckt, als ich es sah. Und das, wo bei uns am heimischen Gymnasium so sehr mit Kreide gegeizt wird, dass die Lehrer sich ihre eigene mitbringen müssen. Und wenn sie dann doch mal keine mehr haben, lieber die Schüler ins Sekretariat schicken, um nicht selber gelyncht zu werden, sondern nur die Blutlache im Sekretariat wegwischen zu müssen unter stetem Beteuern „Was? Ich? Nein, ich wollte keine Kreide!“. Und hier wird sie auf schlafende Schüler geworfen...
Die Tafeln sind hier übrigens auch besser als zuhause. Richtig schwarz und nicht dieses eklige Grün. Und man muss sie nicht nass wischen, sondern nur trocken. Und auch farbige Kreide geht ab.

Dafür haben die Klassenräume keine Heizung sondern nur Klimaanlagen, die zwar auch heizen können, aber immernoch nicht in Betrieb genommen worden sind, keine Ahnung warum.

Die Klassenräume haben zwei Türen, aber das habe ich woanders schon erwähnt. Und wieder etwas worüber ich in Deutschland keine Beschwerden hören möchte: „Also, 10b, die Klasse sieht mal wieder aus wie Sau! So entsteht doch keine gesunde Lernatmosphäre... blablabla...“
Hier sehen die Klassenräume nämlich wirklich aus wie Sau. Weil nicht nur Papierflieger auf dem Boden landen, sondern auch allgemeiner Müll, Wasser (wenn man sich im Unterricht aus seiner Wasserflasche ganz dringend die Hände waschen muss) Rotz und Dreck natürlich auch. Eigentlich sollten die Räume täglich gesäubert werden, aber das geschieht nur in ein paar Klassen. In allen Klassen hängt eine Chinaflagge. Sonst lassen sie jede irgendwie geartete Dekoration vermissen.

Ich habe 12 Fächer. Wenn man zwei Wahlpflichtfächer mitzählt. Die Fächer sind Chinesisch, Englisch, Mathe (einmal täglich), Physik, Chemie, Sport, Geschichte, Erdkunde, Politik und Musik. Wahlpflichtfächer sind irgendwie komisch. Das erste sind europäische Sagen. Ich kenn keine einzige der Sagen die angeblich europäisch sind. Außer die mit Adam und Eva :-D
Dann, das zweite ist mehr oder weniger eine Handarbeitsstunde, man hatte die Möglichkeit zwischen Origami, Zauberei, Zeichnen und noch ein paar anderen zu wählen. Doof wie ich bin hab ich Origami gewählt. Allerdings macht das kaum etwas aus, da die Schüler sowieso nicht wirklich arbeiten. Denn alle sind nach wie vor in einem Raum, gehen aber unterschiedlichen Tätigkeiten nach. So können die Lehrer noch weniger überblicken, ob nicht ein paar einfach nur reden oder Karten spielen. Bei der Gelegenheit hab ich ein paar Leuten Texas Hold 'em-Poker beigebracht ;-P

Bemerkenswert finde ich die Atmosphäre zwischen Lehrern und Schülern, sehr... ungewöhnlich. Denn im Unterricht sind die beiden das, was normal ist. Vielleicht keine Todfeinde, aber oft zumindest nicht seehr freundlich zueinander. Eher so eine berufsbedingte Unverträglichkeit. Wenn man es schwarz sieht.
Aber sobald man aus der Schule geht und der Unterricht zu Ende ist, verhalten sie sich wie gute Freunde, leihen sich gegenseitig Zigaretten, knuffen sich in die Rippen und machen Witze. Komisch für mich irgendwie...

Einmal im Jahr gibt es für alle Schüler eine Gesundheitsuntersuchung. Alle Schüler stellen sich in eine Reihe und ein Ärzteteam das extra dafür angerollt ist, prüft jede/n Schüler/in auf Herz und Nieren. Beziehungsweise auf Sehfähigkeit, Pustekraft, Gewicht, Größe, Brustumfang, Blutdruck und Blutinhalt. Also inklusive in den Finger pieksen! Aaaah!

Auch einmal im Jahr werden alle geimpft. Nur gegen Grippe, sonst gegen nix. Und ich mach da einfach nicht mit :-D

Seltener als einmal im Jahr machen die Schüler ein Militärtraining. Da tragen dann alle Militäruniformen in der Schule und marschieren über den Schulhof und lernen Dinge wie salutieren, marschieren, in Reih und Glied stehen und so. Ich mach sowas leider nicht mit. Keine Angst, bin immer noch Pazifist, aber das hört sich irgendwie witzig an und die Fotos sehen noch witziger aus. Und ist wohl nur eine Woche oder so.

Puh... war's das? Ich glaub schon. Aktuelles kommt dann später.


6.11.07 11:11


Endlich

Soo. Jetzt seh sogar ich ein, dass es mal wieder Zeit ist für einen umfangreichen Eintrag in meinen wundervollen Netzblock.

 Diesmal fang ich sogar gar nicht mit "es ist auch eigentlich kaum was passiert." an, denn das wäre gelogen.

 Erstmal das, was letztes Mal zu kurz gekommen ist. Und zwar etwas, das mir eine große Freude war und außergewöhnlich und überhaupt super und so ;-)

Nämlich... Die lieben ASSE-Freunde aus Yanqing, also da wo wir im Camp waren, haben es auf die Reihe bekommen, mit Grace einen Ausflug nach Tiantan zu planen. Tiantan heißt Himmelstempel glaub ich.
Jedenfalls mit viel Ach und Weh und telefonieren und fragen habe ich es daraufhin auf die Reihe bekommen, dazuzustoßen. Wow! Also bin ich sogar an einem Feriensamstag freiwillig um 7 aufgestanden, um den Bus zu erwischen.
Über die Aktion selber gibts garnicht soviel zu erzählen, wir haben uns super amüsiert, es war toll mal wieder deutsch zu reden und englisch mit französischem Akzent zu hören :-D
Der Tempel war völlig austauschbar. Villeicht wär er interessant gewesen, wenn das Wetter besser gewesen wär. Und wir uns mehr auf ihn statt aufs Erzählen konzentriert hätten. :-)
Hier ein großes Danke an Grace und Shaoqi sowie meine Gasteltern, die das ganze überraschenderweise erlaubt haben. Auch wenn sies wohl kaum lesen werden.

 Ein ähnliches Erlebnis hatte ich letzten Sonntag. Katja S., eine alte Freundin meiner Eltern rief mich überraschend am Samstag an und verkündete, sie werde am Sonntag mit einem Haufen anderer Deutscher die Mauer unsicher zu machen. Erst dachte ich, hmm Mauer war ich schon zweimal, muss nicht nochmal sein. Aber dann, nachdem ich erfuhr dass es sich weder um Badaling noch um Juyongguan handelt, freundete ich mich schon mehr mit dem Gedanken an.

Also schon wieder früh aufstehen! Und diesmal an einem Sonntag! Ich Armer! Von einem "Onkel" Jiaxings zu Katjas Wohnung fahren lassen, unter ständigem Brüllen. Der war der hartnäckigste "Was, du verstehst nicht? Dann muss ich wohl lauter und aggressiver reden."-Chinese.
Bin dann sehr nett mit einem deutschen Frühstück empfangen worden. Das war geilo. Brot wie in Deutschland und ganz viel anderer Kram, der sogar echt deutsch war, also deutsche Marken. Und richtiger Kaffee, nicht diese Instant-Plörre, die man hier nur bekommt.
Nach dem Frühstück zu den anderen Deutschen gesellt, die schon vor ihrem Hotel warteten. Man sah ihnen zwar an, dass sie deutsche Urlauber waren, aber trotzdem waren sie ganz nett :-D (Ich will garnicht wissen, wie deutsch ich aussehe) Besonders auffällig: der Botschaftsschulenmathelehrer. Kölner. Mit einem dieser Kölsch-Tshirts. :-D

Das besuchte Mauerstück war dann auch das allerbeste von den dreien, die ich jetzt hinter mir habe. Wirklich kaum Leute, abgelegen, keine Riesenhauptstraße und nur ein, zwei Souvenirhändlerinnen. Die übrigens weniger Souvenirs als Böller verkaufen. Böller, die sie wahrscheinlich selbst gemacht haben und für die man bei uns eingesperrt werden würde. Die Mauer selbst war teilweise eine Ruine, wir mussten richtig kraxeln. Das war eine richtige Wanderung, nicht dieses Hin-Fotomachen-Zurück, dass die Chinesen offensichtlich so gerne praktizieren. Das war schön :-)
Die  Saarländer, die dabei waren,  haben sich aus Deutschland eine riesige Lyoner Fleischwurst (scheint da irgendwie lokalspezialität zu sein) mitgenommen und sich stolz damit auf der Mauer ablichten lassen. Und hinterher verspeist.
Hinterher in einem Forellenrestaurant, das zwar unscheinbar aber wirklich gut war. Ich mochte den Fisch sogar, vor allem weil er wenige Gräten hatte. Die Chinesen essen nämlich vorzugsweise grätigen Fisch und dann prokelt auch nicht der Koch die Gräten vorher raus sondern der Endnutzer fummelt sich die klebrigen Fischknochen aus dem Mund und passt auf, ja keine zu verschlucken. Nicht so meins.

Bin am Abend schließlich spät wiedergekommen. Und alleine! Der Bus hat mich an einer Bahnhaltestelle rausgeschmissen und ich bin alleine mit einmal Umsteigen und einmal Busfahren wieder nach Hause gekommen. Das ist hier sogar einfacher als in Deutschland, von einem Gleis fährt nur eine Linie ab, in eine Richtung, die klar angegeben ist, überall hängen hilfreiche Pläne und man bezahlt nur einmal 30ct und kann dann im ganzen Beijinger Netz fahren, solange man nicht aus dem Bahnhof rausgeht.
Zugegebenermaßen ist das Beijinger Stadtbahnnetz auch lächerlich winzig im Gegensatz zum KVB-Netz. Das vereinfacht die Sache. Auf den Plänen sind nur Linien in fünf verschiedenen Farben und nicht in 42.

Irgendwann in diesen Wochen hatte ich  noch ein desillusionierendes Erlebnis. Und zwar im Elektromarkt. Hab ich davon schon erzählt? Ich glaub nicht. Da arbeitet Jiaxings "Bruder", von dem ich erst vor kurzem erfahren habe, dass er garnicht mit Jiaxing verwandt ist. Ist übliche Praxis, guten Freunden Verwandtentitel zu geben. Jedenfalls, dieser Elektromarkt ist ein riesiges Gebäude, in dem unzählige kleine Verkäufer ihre Waren feilbieten. Sone Art Basar. Und da hab ich mir neue Kopfhörer gekauft. Bevor man da etwas kauft, muss man immer Jiaxings "Bruder" fragen, der sagt dir dann, ob man das kaufen kann oder ob es so schlecht gefälscht ist, dass es wahrscheinlich nicht funktioniert
Einmal fragte ich Jiaxing nach Computerspielen, weil ich den Verdacht hatte, dass diese hier zu einem Spottpreis über die Theke gehen könnten. Ich sollte Recht behalten. Jiaxing sprach eine Verkäuferin an, die unter dem Ladentisch einen großen Karton mit Pappumschlägen hervorholte. Die Spiele kosteten 6 元, 60 ct sind das. Und waren so offensichtlich und schlecht gefälscht, dass man noch nichtmal die CD anschauen musste. Auf den Umschlägen passten die Bilder nicht zu den Titeln oder der Titel stimmte erst garnicht. Naja, 60ct halt. Ausprobieren. 50% Erfolgsrate, Jiaxing hat immer die richtigen 50% und ich die falschen :D
Irgendwann fragte ich Jiaxing dann nach "guten" Spielen. Und er zeigte mir wieder die Pappkartonspiele. Immer wieder. Erst ganz spät fiel mir ein, dass er vielleicht "Gut" garnicht mit "echt" und "funktionierend" gleichsetzt. Und fragte also nach "echten". Er war ehrlich verblüfft. "Echte? Die sind teuer!" Aber er zeigte mir trotzdem einen Händler, der sowas verkauft. Meine Augen leuchteten! Die Auswahl war zwar minimal, aber durchweg vertrauenserweckend und zum Preis von 69元 je neuwertiges Originalspiel. Wieviel Euro das sind, kann sich der logisch begabte Leser aus vorherigen Beispielen ausrechnen ;-) (Nur zum Vergleich: Ein neues Spiel kostet in Deutschland 40-50&euro. Kaufte mir also gleich zwei Stück, Rainbow Six Vegas und Splinter Cell Double Agent. Das erste läuft wie geschmiert, sogar auf Deutsch und das zweite ist leider chinesisch und funktioniert garnicht. Was aber leider daran liegt, dass es sich mit Vista nicht so gut verträgt. Jiaxing und sein Bruder schauten mich an, als hätte ich das Geld soeben in einen Schredder geworfen.

(Peinlich irgendwie, dass sich der längste Absatz mit Computerspielen beschäftigt ^^)

Meine Schuluniform hab ich jetzt auch! Sehe darin supersexy aus, natürlich. Saukalt, das Scheißteil. Also gestern 买东西. Eine lange Unterhose und einen dicken Pulli erstanden, zu fast deutschen Preisen. Ich hoffe ihr verzeiht mir die Modetodsünde eine lange Unterhose zu besitzen und zu tragen. Es wär einfach zu kalt sonst Ich musste feststellen, dass Jiaxing seine Unterhosen nicht selbst aussucht, sondern seine Mutter ihm welche vorschlägt :-( Er ist 18. Erschreckend zu sehen. Irgendwie.

Achja, ich habe mir nach dem vor dem Mauerbesuch ein "Berliner Landbrot" gekauft, von dem ich manchmal etwas esse. LEider hält es sich nicht lang, ist also jetzt schon hart Meine Familie steht drauf, hat aber nicht  so richtig verstanden, wie das  eigentlich funktioniert. Dass man sich das selbst schmiert und nicht schmieren lässt. Dass, wer kann, sogar relativ harte Butter verstreichen kann, und dass Mayonnaise kein Butterersatz ist, schon garnicht bei Honigbrot. Eine weitere Eskapade hinsichtlich Westessen war Milchreis. Mir ist auf einmal eigefallen, dass Milchreis eigentlich das ist, was auf die schnelle am einfachsten zuzubereiten ist und dessen Zutaten leicht verfügbar sind. Also von Reis erzählt, der in Milch gekocht wird. Angewidert verzihen sie das Gesicht. Aber meine Gmama versucht das gleich erstmal aus. Ohne meine Supervision. Geht natürlich in die Hose, sie kocht den Reis nicht zu Brei-Konsistenz, sondern zu Reiskonsistenz. Und als Beilage zu normalem Essen. Außerdem, obwohl ich gesagt habe, Zucker sei wichtig, "Zucker ist nicht gut für den Körper". Also weggelassen. Ihr könnt euch denken, dass das nicht so der Brüller war.
Überhaupt ist diese gesundes Essen-Kiste hier noch lästiger als zuhause in Deutschland. Weil wir die Gesundheit anders bewerten als die Chinesen. Zucker ist hier ganz schlecht, darf nur in seehr kleinen Mengen verwendet werden. Dagegen wird hier, wie es eine schöne Redensart in meinem Umfeld manchmal sagt, gerne "frittierte Butter mit Sahne" gegessen. Unglaublich fett ist vieles hier. Und Fleisch ist bei jeder Mahlzeit dabei. Also wirklich jeder. Meistens sogar ein Hauptfleisch und in der Gemüsebeilage nochmal ein Nebenfleisch. Kein Witz.
Letztens fragte mich mein Gpapa, ob wir in Deutschland auch nach dem YingYang-Prinzip essen. Ihr wisst schon, das mit dem schwarz-weißen Kreis und so. "Nein" sag ich. "Achso, stimmt ja, ihr esst nach sonem thermischen Prinzip. Die Temperaturen müssen ausgewogen sein, stimmts?" Öh. Kurz Nachdenken... Nein, eigentlich nicht. Scheint eine ganz komische Vorstellung für die zu sein, dass man einfach isst, was man möchte und da garnicht so viel drüber nachdenkt.
Außerdem finde ich es komisch, dass jemand, der soviel isst, wiegt und raucht und sowenig Sport macht, frische Luft schnappt und ausschläft wie Jiaxing mir erzählt, zuviel Kakao sei ungesund. ;-)

Das wärs mal wieder, ich habe Hochachtung vor dem, der das alles gelesen hat. 

21.10.07 07:42


Ferien

Jo, heute ist Sonntag, morgen fängt die Schule wieder an. Blöd sowas. Weil die Ferien schön waren.

Am Montag war der 1. Oktober. Das ist der Nationalfeiertag der Chinesen, Riesenhalligalli in Peking Innenstadt. Deswegen sind wir auch Abends nach Tiananmen gefahren. Jadahaha, nur haben meine lieben Gasteltern die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Beziehungsweise ohne die anderen Gäste. Als wir nämlich ankamen, war Tiananmen total überflutet. Das war klar, dafür bräuchte man noch nichtmal nachzudenken, aber leider war ein Nebeneffekt, dass auch keine Parkplätze mehr da waren. Eigentlich auch klar. Ich wär auch lieber mit der Bahn gefahren, aber das scheint nicht so wirklich zu gehen. Wenn man ein Auto hat, dann muss man das auch benutzen. In China. Sind also zurückgefahren.

Vorher, also vormittags waren wir wieder auf der Mauer. Was? Schon wieder? Ja klar! Nur diesmal nicht in Badaling, sondern in Juyongguan. Das ist doch alles das gleiche? Nö.
Juyongguan ist kleiner, weniger beeindruckend, nicht so breit und gigantisch. Dafür, und das ist mir wichtig und Grund genug da hinzugehen, sind da auch höchstens ein zwanzigstel der Leute, die in Badaling über die Mauer strömen. Also hat man sogar Platz. Man kann Fotos machen, wo keine Leute drauf sind oder nur man selber.
Ich schätze, dass das daran liegt, dass dieser Teil nicht sone Rollstuhlrampe ist wie Badaling. In Juyongguan gibts 'nen ganzen Haufen Stufen, deren Anzahl allein schon anstrengend ist. Zusätzlich sind die Stufen kniehoch und sausteil. Also nix für Ommas, Schwangere, Behinderte, Memmen und den westeuropäischen/amerikanischen Durchschnittstouristen. Das ist, warum weniger Ausländer dahin kommen. Die Chinesen bleiben weg, weil das nicht so berühmt ist. Man muss sich einfach auf Badaling fotografieren lassen, das ist wichtig, weil... ähm... also Badaling ist der berühmtere Teil... weil... ähm, naja, ist ja auch egal.

Womit wir bei einer Angewohnheit sind, die den meisten Deutschen die ich kenne, (zum Glück) nicht eigen ist. Das sich-vor-etwas-fotografieren-lassen. Die Chinesen wollen immer, dass ich mich vor einer jeweiligen Sehenswürdigkeit fotografieren lasse und das reicht dann auch schon, die Sehenswürdigkeit ist alleine kaum interessant. Was ich völlig unverständlich finde, denn beispielsweise die Mauer wirkt doch ohne so einen 21. Jahrhundert-Typen mit komischer Frisur viel authentischer und schöner. Ich lasse also die "stell dich mal dahin, ich mach ein Foto von dir" über mich ergehen und mach hinterher selber noch ein Foto ohne mich.

Am Dienstag dann haben wir dem, wie Jiaxing mir versicherte, einzigen richtigen, echten und guten Pekingentenrestaurant einen Besuch abgestattet. Wobei das das ganze nicht wirklich trifft, vielmehr hat uns dieses wunderbare Restaurant gnädig eine Audienz gewährt. (Audienz? Audio = Ton/Hören etc..., aber was zur Hölle passt besser?) Da geht man nämlich nicht einfach hin. Da geht man hin und zieht eine Nummer. Und dann wartet man vor dem Restaurant, bis die Nummer aufgerufen wird, weil ein Tisch freigeworden ist.
Also standen vor dem Restaurant ungelogen 150 Menschen rum und warteten darauf, dass sie essen konnten. Also etwas ganz Besonderes, dieses Restaurant.

 

Sone Scheiße!

Ich hab hier gestern nochmal so viel geschrieben wie oben und das hat der aber irgendwie nicht geschluckt! Die Missgeburt! Tja, da müsst ihr jetzt drunter leiden, mal sehen, wann ich Bock hab, das auszubügeln...

 

7.10.07 06:55


Mir fällt kein Titel ein. Schließlich schreib ich ja auch nicht über eine Sache sondern über das große Ganze. Hmmmm...

Also ich erzähl euch einfach mal, was letzte Woche so passiert ist. Abgesehen vom Üblichen. Erstmal war ich am letzten Sonntag von einem Freund und Ex-Kollegen meines Vaters zu einem Essen eingeladen worden. Zusammen mit dessen Studenten, ein Abschlussessen eigentlich, aber wir waren offensichtlich gern gesehene Gäste. Wir sind Jiaxing und ich. Alleine hätte ich weder gedurft noch da hingefunden. Das war eine Odyssee durch den Haidiandistrikt mit Bus und Bahn, nach der ich das Gefühl hatte, ich müsse eigentlich schon am anderen Ende der Stadt sein.

Das Restaurant war gut, Yunnan-Küche. Das ist in Südchina. Ich habe keinen großartigen Unterschied feststellen können. Jiaxing meinte, er möge keine Yunnan-Küche. Na gut. Ich mag ja auch keine Weißwürste...
Sehr nette Studenten waren das. Haben sich sehr für mich interessiert und auch sogar für meinen Hintergrund und nicht nur für meine blonden Haare und blauen Augen.
Reiswein hab ich getrunken. Sehr süß, aber lecker.

Bleiben wir beim Essen. Hund. Der große Moment, der von allen Deutschen mit unglaublichem fasziniert-angeekeltem Respekt betrachtet wird, er war da. Es gab Hund. Aber nicht etwa als Steak. Irgendwie hatte ich mir das immer als großes Fleischstück vorgestellt. Keine Ahnung warum, schließlich gibts hier überhaupt keine großen Fleischstücke im Essen.
Jedenfalls war es Wurst. Oder sagen wir lieber... Brotaufstrich. Sah aus wie Dosenfleisch, corned beef oder so. Hat nicht sehr speziell geschmeckt, sondern wie Dosenfleisch halt schmeckt.

Ich hab mich so auf die Ferien gefreut. Ok, die bleiben mir ja auch erhalten, aber mir ist die Kinnlade heruntergerutscht, als Jiaxing mir den Elternbrief übersetzt hat. Den Elternbrief, der darüber informiert, dass wegen der Ferien (1 Woche anlässlich des Nationalfeiertags ab dem 1.10.) am Wochende davor Schule haben. Das ist so, weil der Staat der Schule
nur ein paar Tage und ein Wochenende zu Ferien zur Verfügung stellt. Und weil die Schule nicht den Schülern Mo-Do freigeben und dann am Freitag wieder antreten lassen will, ist am Wochenende davor eben Schule. Hä? denkt ihr jetzt. Beruhigt euch. Ich habs auch nciht verstanden. Und ich fands im ersten Moment auch ziemlich absurd. Naja. Eigentlich jetzt immer noch [img]http://img383.imageshack.us/img383/18/iftherewasanemoticonbyaugestqx6.gif[/img]

Die Schule wird besser... Chinesischunterricht macht mehr Spaß als anfangs und ich versteh zwar immer noch nicht genug, aber dafür hab ich jetzt jemanden, den ich als Freund bezeichnen würde. Yan Cong Hao heißt der und ist cool. Der hört die richtige Musik, hat die richtige Einstellung zur Schule und zum Leben im Allgemeinen. Mit ihm hab ichs sogar schon geschafft, mich ansatzweise über Politik zu unterhalten (Only one party in china? 不好! Außerdem ist er nett und sehr geduldig mit mir.

Ich habe im Bus zwei Italienerinnen gesehen. Das war komisch. Denn eigentlich hatte ich mir vorgenommen, (ethnische) Europäer anzusprechen, aber irgendwie wollte ich nicht. Vielleicht, weil sie so in ihr italienisches Gespräch vertieft waren. Wahrscheinlich eher, weil ich so geschockt war. Geschockt, dass da zwei offensichtliche Nicht-Chinesen vor mir sitzen und dass ich mit ihnen trotzdem fast genausowenig gemeinsam habe wie mit den Chinesen. In meiner Vorstellung waren alle Europäer so wie ich und ich konnte mich sofort mit ihnen verständigen. Ich hab garnicht realisiert, dass Europa nicht ein Land ist... das war irgendwie komisch. Kann das jemand nachvollziehen?

Ich habe meinen Vater kennen gelernt. Nein, hier geht es nicht um die 76889054431. GZSZ-Folge, sondern um meinen Gastvater. Der war bis jetzt auf Geschäftsreise. Jetzt ist er jedenfalls wieder da. Ziemlich knorker Typ. War früher mal Profisänger, hat aus gesundheitlichen Gründen aufgehört, vllt. weil er raucht wie ein Schlot. Jiaxing übrigens auch, nur nebenbei. Der Vater hat aber immer noch eine total schöne Stimme, so brummig und tief und beruhigend und so... *brummbrumm*
Auch abgesehen von seiner Stimme ein sehr angenehmer Zeitgenosse, hilft im Haushalt mit und redet fröhlich mit mir, obwohl ich nur die Hälfte dessen verstehe was er sagt. Lacht viel. Wie die ganze Familie.

In der kommenden Woche, in der ja Ferien sind, werde ich wahrscheinlich von "Sight" zu "Sight" tingeln und gaaanz viele Fotos schießen, die ihr zumindest teilweise zu Gesicht bekommen werdet.

Das wärs dann erstmal wieder.


 

30.9.07 18:17


Soo, Zeit mal wieder für einen Eintrag.

Wo fang ich an... Mit dem schlechten am Besten, das was zuletzt gesagt wird, bleibt besser hängen.

Es sind zwei Menschen in mein Leben getreten. Also nicht so, wie man in einen Raum tritt oder in einen Verein. Sondern so wie man in eine Tür tritt oder in einen Hintern. Und ich bin in ihr Leben getreten wie man in einen Hundehaufen tritt. Diese beiden Menschen, deren Namen ich nicht nennen möchte, weil ich sie nicht genau weiß, nenne ich die Jonksekretärin und den Jonkopa. Der Begriff "jonken" ist während meiner glorreichen Zeit im Stamm Sperber (die noch lange nicht um ist) in mein Hirn diffundiert und bedeutet soviel wie "nerven".

Eigentlich möchte ich das garnicht schreiben. Das soll ja kein Lästerblog werden hier. Ich lass es also. Das da oben reicht. Insiderinfos gibts vielleicht auf ne email

Seit heute morgen habe ich Chinesischunterricht mit besagter Jonksekretärin. Spaß tendiert gegen null, ich glaube aber, der Erfolg wird sichtbar sein. Obwohl ihre Prioritäten im Chinesischlernen andere sind, als es meine wären. Sie fängt mit Sprachtheorie an. Zum Beispiel, welche Konsonant-Vokalkonstruktionen sind im chinesischen möglich? Auf welchen Vokal setzt man im geschriebenen Pinyin den Ton? Was für den praktischen täglichen chinesischgebrauch völlig irrelevant ist. Das ist ein bisschen, als würde man einem Deutschsprechlerner als erstes den Unterschied zwischen ss und ß erklären. Da hört man den Unterschied wenigstens noch.

Mein Chinesisch wird trotzdem besser, weils mir mittlerweile mehr Spaß macht, zu reden. Schließlich habe ich mich ein paar Leuten in der Klasse angenähert. Seehr coole Leute. Total freundlich und geduldig mit mir, obwohl ich oft sehr spät erst verstehe. Interessendeckung ist sogar auch da. Selten genug, dass jemand System of A Down oder Linkin Park kennt hier.

Habe letztes Wochenende meine erste Beijing-Nachtleben-Erfahrung gemacht (also Nachtleben = 21:00) Wir waren mit einem Freund Jiaxings in einer riesigen Internetbar. Wow! Die war groß! 100 Computer bestimmt. Und überall saßen picklige Brillenträgerchinesen mit fettigen Haaren, die sich den ganzen Tag nur von dem ernähren, was die Bar da anbietet (Cola, Grüntee, Chips) Also gibt es sowas nicht nur auf unseren LANs sondern auch in Peking! Wow! Und da haben wir uns jedenfalls so Computer "gemietet" und CS gezockt. Ich hab natürlich verloren. Aber ich bin auch aus der Übung. Für die, die Ahnung haben, hier ein kleiner Einschub:

Ich bin natürlich nicht gerade gut, aber einen beträchtlichen Teil zu meiner Niederlage hat auch deren AWP-Laming und Rumgelucke beigetragen. Absolut kein Aim. Camping noch dazu. Ich hab versucht, meine Zockerehre aufrecht zu erhalten. Kein Witz und keine faule Ausrede. Ehrlich!

Später haben wir noch ein Bier getrunken. Chinesisches Bier. Sehr in Ordnung, sehr trinkbar (sag ich jetzt mal als einer, der Bier nicht sooo toll findet und deswegen kaum Ahnung hat). Auf der Flasche stand 10 Umdrehungen, hat aber jedenfalls nicht so geschmeckt.
Achja, erzählts ASSE nichts

Ansonsten hab ich jetzt eine eigene Kamera! Juhuuu! Es sind auch schon neue Fotos im Pixumalbum. Angucken! Und ich habe mir den Harry Potter 7 auf englisch gekauft und heute ausgelesen. Mann ist das ein geiles Buch! Meine Hände haben im Unterricht noch gezittert, wenn ich in der Pause gelesen habe. Jetzt hab ich nix mehr zu lesen Und werde wohl kaum wieder etwas vergleichbares so bald bekommen. Sind nämlich schweinisch teuer, englische Bücher.

Das Wetter ist schlechter geworden. Es regnet jetzt öfter, was zu Straßenüberschwemmungen führt, weil die Abflüsse hier offensichtlich nicht so gut funktionieren.

Sonst noch was? Ich glaub nicht.

Sonst nix.

20.9.07 16:39


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung