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Schule

Hier kommt er, der Eintrag, der sich ausschließlich mit Schule befasst, denn da fragen viele nach.

Wie fang ich an...

Meine Schule ist eine kleine Schule, für chinesische Verhältnisse. Grob von mir geschätzt fünfhundert Schüler. Normalerweise sind Schulen hier wesentlich größer, eigentlich schon Schulkomplexe, oft mit mehreren Schulformen auf dem Gelände. Dagegen ist meine Anstalt, äh, Schule schon süß. Eine Handvoll einstöckiger Gebäude in hübschem Gelb und ein Schulhof mit sechs Basketballkörben, eingezäunt und mit einem Eingang erinnern nur entfernt an eine Kaserne sondern vieeel mehr an einen Ort stetiger jugendlicher Freude.

Damit diese nicht von außen oder durch die Jugendlichen selbst getrübt wird, müssen natürlich einige Regeln aufgestellt und Maßnahmen zur Sicherstellung deren Einhaltung getroffen werden. Als erstes wär da der Sicherheitsmensch am Eingang, der schaut wer rein und raus geht. Und, falls das während der Schulzeit geschieht, die Erlaubnis zum Verlassen überprüft und die betreffende Person in eine Liste einträgt.
Dann gibt es natürlich eine Reihe Regeln, die egal ob geschrieben oder nicht, gültig sind. Zum Beispiel darf man das Schulgelände nicht während der Schulzeit verlassen. Rauchen und Trinken darf man auch nicht, man soll Lehrpersonal und Mitschüler achten, genauso wie Volks-, äh ich mein natürlich Schuleigentum und das anderer. Hmm. Sowas kennt man doch aus Deutschlands Schulen auch. Richtig.
Aber dass man sichtbar keine Beziehung führen darf und dass die Elftklässler (also 高二) nicht die gleiche Tür in den Essenssaal benutzen dürfen wie die Zwölftklässler, auch wenn dort die Schlange ein Viertel so lang ist, kennt man nicht aus Deutschland. Oder dass beim Morgensport unbedingt Reih und Gied eingehalten werden muss, wobei es irrelevant ist, wie sehr man den eigentlichen Sport mitmacht. Oder dass der Teller leergegessen werden muss. Auch sind mir die Gründe dafür ganz und gar nicht ersichtlich.
Um die Einhaltung dieser Regeln zu gewährleisten, wurden vor kurzem Überwachungskameras allererster Qualität an der Schule installiert. Wie die aus den Filmen, die man ferngesteuert schwenken kann und so.
Desweiteren gibt es ein paar Lehrer, die immer einen Notizblock dabei haben, auf dem sie etwaige Verstöße notieren.

Anders als man jetzt denken könnte, sind die Schüler übrigens trotzdem keine willenlosen Maschinen, die blind jeder Regel folgen die sie gestellt bekommen. Im Gegenteil. Sie widersetzen sich blind diesen Regeln :-)
Disziplin ist hier also in hohem Maße gefordert und kaum gegeben.

Womit ich zum Unterricht komme. Der Lehrer steht vorne und redet. Die Schüler hören bestenfalls zu, schlafen schlechtestenfalls. Eine Sitznachbarin von mir telefoniert im Unterricht per Headset mit dem Handy. Eine zeitlang hab ich mich gefragt, mit wem sie da eigentlich redet. :-D Schlafende Schüler werden am von ihren Sitznachbarn entweder noch rechtzeitig geweckt, oder vom Lehrer am Ohr gezogen, mehr oder weniger sanft geweckt oder mit Kreide beworfen.

Das hat mich erschreckt, als ich es sah. Und das, wo bei uns am heimischen Gymnasium so sehr mit Kreide gegeizt wird, dass die Lehrer sich ihre eigene mitbringen müssen. Und wenn sie dann doch mal keine mehr haben, lieber die Schüler ins Sekretariat schicken, um nicht selber gelyncht zu werden, sondern nur die Blutlache im Sekretariat wegwischen zu müssen unter stetem Beteuern „Was? Ich? Nein, ich wollte keine Kreide!“. Und hier wird sie auf schlafende Schüler geworfen...
Die Tafeln sind hier übrigens auch besser als zuhause. Richtig schwarz und nicht dieses eklige Grün. Und man muss sie nicht nass wischen, sondern nur trocken. Und auch farbige Kreide geht ab.

Dafür haben die Klassenräume keine Heizung sondern nur Klimaanlagen, die zwar auch heizen können, aber immernoch nicht in Betrieb genommen worden sind, keine Ahnung warum.

Die Klassenräume haben zwei Türen, aber das habe ich woanders schon erwähnt. Und wieder etwas worüber ich in Deutschland keine Beschwerden hören möchte: „Also, 10b, die Klasse sieht mal wieder aus wie Sau! So entsteht doch keine gesunde Lernatmosphäre... blablabla...“
Hier sehen die Klassenräume nämlich wirklich aus wie Sau. Weil nicht nur Papierflieger auf dem Boden landen, sondern auch allgemeiner Müll, Wasser (wenn man sich im Unterricht aus seiner Wasserflasche ganz dringend die Hände waschen muss) Rotz und Dreck natürlich auch. Eigentlich sollten die Räume täglich gesäubert werden, aber das geschieht nur in ein paar Klassen. In allen Klassen hängt eine Chinaflagge. Sonst lassen sie jede irgendwie geartete Dekoration vermissen.

Ich habe 12 Fächer. Wenn man zwei Wahlpflichtfächer mitzählt. Die Fächer sind Chinesisch, Englisch, Mathe (einmal täglich), Physik, Chemie, Sport, Geschichte, Erdkunde, Politik und Musik. Wahlpflichtfächer sind irgendwie komisch. Das erste sind europäische Sagen. Ich kenn keine einzige der Sagen die angeblich europäisch sind. Außer die mit Adam und Eva :-D
Dann, das zweite ist mehr oder weniger eine Handarbeitsstunde, man hatte die Möglichkeit zwischen Origami, Zauberei, Zeichnen und noch ein paar anderen zu wählen. Doof wie ich bin hab ich Origami gewählt. Allerdings macht das kaum etwas aus, da die Schüler sowieso nicht wirklich arbeiten. Denn alle sind nach wie vor in einem Raum, gehen aber unterschiedlichen Tätigkeiten nach. So können die Lehrer noch weniger überblicken, ob nicht ein paar einfach nur reden oder Karten spielen. Bei der Gelegenheit hab ich ein paar Leuten Texas Hold 'em-Poker beigebracht ;-P

Bemerkenswert finde ich die Atmosphäre zwischen Lehrern und Schülern, sehr... ungewöhnlich. Denn im Unterricht sind die beiden das, was normal ist. Vielleicht keine Todfeinde, aber oft zumindest nicht seehr freundlich zueinander. Eher so eine berufsbedingte Unverträglichkeit. Wenn man es schwarz sieht.
Aber sobald man aus der Schule geht und der Unterricht zu Ende ist, verhalten sie sich wie gute Freunde, leihen sich gegenseitig Zigaretten, knuffen sich in die Rippen und machen Witze. Komisch für mich irgendwie...

Einmal im Jahr gibt es für alle Schüler eine Gesundheitsuntersuchung. Alle Schüler stellen sich in eine Reihe und ein Ärzteteam das extra dafür angerollt ist, prüft jede/n Schüler/in auf Herz und Nieren. Beziehungsweise auf Sehfähigkeit, Pustekraft, Gewicht, Größe, Brustumfang, Blutdruck und Blutinhalt. Also inklusive in den Finger pieksen! Aaaah!

Auch einmal im Jahr werden alle geimpft. Nur gegen Grippe, sonst gegen nix. Und ich mach da einfach nicht mit :-D

Seltener als einmal im Jahr machen die Schüler ein Militärtraining. Da tragen dann alle Militäruniformen in der Schule und marschieren über den Schulhof und lernen Dinge wie salutieren, marschieren, in Reih und Glied stehen und so. Ich mach sowas leider nicht mit. Keine Angst, bin immer noch Pazifist, aber das hört sich irgendwie witzig an und die Fotos sehen noch witziger aus. Und ist wohl nur eine Woche oder so.

Puh... war's das? Ich glaub schon. Aktuelles kommt dann später.


6.11.07 11:11


Drei Monate...

Uuh, heute ist der Tag, an dem ich seit 3 Monaten aus Deutschland raus bin. Am achtzehnten August zweitausendundsieben um achtzehn Uhr fünfundzwanzig bin ich in den Flieger von Köln/Bonn nach Kopenhagen eingestiegen. (Ab wann schreibt man Zahlen eigentlich groß?)

Ist die Zeit schnell vergangen? Fragen ganz schön viele. Hmm. Nicht einfach zu beantworten. Ich fühl mich, als wär ich schon ewig hier, aber andererseits noch neu. Sozusagen. Und während die Zeit vergeht, vergeht sie schnell. Sozusagen. Also interpretiert einfach selbst diese wirren Sätze und denkt euch, wies mir geht.

Womit ich dazu komme, welche glorreichen Bereicherungen mein Leben dadurch gewonnen hat, bis jetzt. Also erstmal werde ich ein Viereck nie wieder so aus der Hand zeichnen wie vorher. Mal sehen, wer versteht warum :-P
Als zweites, weniger banales; Ich habe Deutschland schätzen gelernt. Ich wusste immer, dass ich mich glücklich schätzen kann, in Deutschland zu leben und nicht in Palästina oder im Sudan oder so. Aber jetzt weiß ich, dass Deutschland echt kuhl ist. Man ist freier als Jugendlicher, die Pädagogik und gesellschaftliche Verhaltensformen sind nicht so starr, die Didaktik, wenn auch nicht perfekt, erlaubt uns, Freizeit und Spaß zu haben, ohne dass wir dadurch automatisch zu vollkommen minderbemittelten Schwachköpfen werden. Wir dürfen eine eigene Meinung haben, und das schon sehr früh. Wir haben Mitwirkungsrecht in der Schule.
Dinge sind besser organisiert und laufen zwar über mehr Wege, aber wenn man sich daran gewöhnt hat auch schneller. Ich glaube, Solidarität wird höher gehalten, man verpetzt sich in der Schule nicht. Und es gibt weniger Prügeleien^^
Das Standardbett ist weicher :-P Ich kann so lang duschen wie ich will. Ich hab ein eigenes Zimmer^^

 Nu denkt ihr, Oh Mann, der Felix hat ja jetzt schon genug, dabei sind erst drei Monate rum. Neeein, das ist Quatsch. Genug hab ich noch lange nicht, denn ich muss ja noch einen Haufen Vorteile an China finden. Ich hab natürlich auch schon welche, hier sind sie:

Der Staat achtet fürsorglich darauf, dass du die richtige Meinung hast und auch damit zurückhaltend bist. Das ist aber auch zu schwierig zu verstehen, mit Demokratie und so :-P
Nee, mal ernsthaft. Die Lernkultur ist viel besser, Hausaufgaben werden öfter gemacht, man lernt mehr und kommt im Unterricht schneller voran, soweit ich das beurteilen kann (Die Neue-Formel-Frequenz im Matheunterricht ist höher als in Deutschland^^) Sachen sind billiger (für mich, höhö^^), öffentliche Verkehrsmittel und Handygebühren zum Beispiel. Alles andere natürlich auch, aber das ist das, wo ich in Deutschland den größten Nachteil sehe.
Überall gibt es hier die Straßenhändler, die einen zwar oft über den Tisch ziehen wollen, aber sehr atmosphärish sind und was mir sehr gefällt, im Gegensatz zu den sterilen Straßen in Deutschland. Auch die Essstände, Süßkartoffeln auf einem alten Fass in dem Kohlen brennen. Ich würde diese Hygienedefizite zugunsten der Atmosphäre und der allgegenwärtigen Fratzverfügbarkeit in Deutschland gerne auf mich nehmen.
Man ist Ausländern gegenüber seehr zuvorkommend, viel mehr als in Deutschland wo allenthalben "Kulturverfall" und "Integrationspflicht" geschrien wird.
Jungs und Mädchen haben zwar nix miteinander zu tun, so rein freundschaftsmäßig, dafür sind Jungs-Jungs-Freundschaften viel intensiver. Man redet sogar über seine Gefühle und das relativ früh in einer Freundschaft und sehr offen. Das hat mich erst abgeschreckt (und tut es bei einigen Themen immer noch), aber ich glaube, ich lerne das zu schätzen.

Soviel als aktuelle Bilanz. Vielleicht mach ich das ja später nochmal und vergleiche. 

 

18.11.07 08:37





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