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Aktuell?

Ich hab jetzt schon echt lange nix mehr geschrieben. Zwei Wochen seit dem letzten Beitrag und noch länger seit dem letzten, der sich mit etwas aktuellem beschäftigt. Deswegen kommt der zwar heute, ist aber nicht nur aktuell, sondern auch mit älteren Aktualitäten vollgestopft.

 Vor einiger Zeit hat sich folgendes im Hause Zhang zugetragen: Ein befritteter Westler wollte für seine unbefritteten asiatischen Familienmitglieder kochen, wie man es in des Frittenkopfs Heimat tut. Schnitzel mit Kartoffeln und Salat. Dafür musste natürlich erstmal eingekauft werden, was sich als langwieriger als gedacht herausgestellt hat. Denn obwohl meine liebe Gastmutter und Jiaxing beide keine Ahnung vom westlichen Kochen haben und das auch wissen und zugeben, gibt es anscheinend einige Dinge, die als allgemeingültig gesehen werden. So durfte ich mir das Fleisch nicht selber aussuchen, sondern musste auf ihren Rat hören, der das eine Stück Fleisch, das zwar identisch aussah dennoch vom anderen zu unterscheiden wusste. Auch die Kartoffeln bedürfen präziser Auswahl, es gibt nämlich mehlige und nichtmehlige und eine von beiden Sorten ist laut Gmama essbar, die andere kaum. Ich wollte aber die andere. Schließlich haben wir beide gekauft. Und so weiter. Schließlich hatten wir einen Haufen Lebensmittel gekauft, der Preis für alles belief sich auf 140 Yuan, was 14 Euro sind und meine Begleiter kräftig schlucken ließ. Dabei waren übrigens auch Messer und Gabel, weil beides hier zuhause nicht benutzt wird und ergo nicht vorhanden ist.

Zuhause angekommen, machte ich mich gleich an die Arbeit, interessiert von zwei Augenpaaren beobachtet. Nun ja, ich fands sehr lecker, Jiaxing fands gut und seine Mutter hat keinen Kommentar abgegeben^^. Die Kartoffeln sind aufgeplatzt, warum weiß ich nicht, das ist mir in Deutschland nie passiert. Auf anfängliches Unverständnis stieß, dass ich nicht vorhatte, den Salat zu kochen oder sonstwie zuzubereiten, sondern ihn nur zerrupfte und mit Gurken- und Tomatenscheiben in eine Schüssel gab und eine Soße darüber goss. Das war allerdings schließlich das, was am besten aufgenommen wurde, Jiaxing war sehr begeistert und Gmama schien es auch zu mögen, da sie sich später auch einmal daran versucht hat. Eine gelungene Aktion insgesamt also.

Zwischendurch gab es die Prüfungen für alle Schüler meiner Schule (eigentlich auch für die Restchinas, aber an anderen Terminen). Das waren zwei schöne Tage, denn ich musste nicht zur Schule gehen. Allerdings wurde ich trotzdem intellektuell und vor allem nervlich gefordert, und zwar von Jiaxing. Er hatte nämlich Angst vor seiner Englischprüfung (zu Recht, wie sich herausstellen sollte) und bat/befahl mich/mir, ihm per SMS dabei zu helfen. Was ich natürlich gerne zusagte. Schüler aller Welt sollten zusammenstehen, wenn es um Pfuschen und Anstrengungsvermeidung geht. Und so kam es dann auch. Ich erhielt SMS mit Testfragen und beantwortete diese mit den passenden Antworten. Allerdings habe ich damit gerechnet, dass Jiaxingschatzi sich in einem äußersten Zweifelsfall an mich wendet, wenn er sein Gehirnschmalz schon bis zum letzten Englischtropfen ausgewrungen hat. Ha! Nix da, der gute schreibt mir nahezu alle Testfragen und erwartet außerdem, dass ich sie möglichst schnell beantworte, was er mit einem „quickly!“ in seinen SMS unterstrich. Als ich dem nicht nachkommen konnte, weil ich Handytipplegastheniker bin, rief er mich an (beeindruckend, dass man anscheinend in einer Prüfung unterm Tisch telefonieren kann, ohne dass der Lehrer das merkt und bestraft). Flüsternd, wegen benanntem Lehrer, diktierte er mir Aufgabenstellungen Buchstabe für Buchstabe, worauf ich ihm die Lösung buchstabieren sollte. Wer schonmal mit jemandem telefoniert hat, der in sein Handy flüstert, weiß, dass das an sich schon schwer ist. Wenn der andere aber auch noch so schnell und undeutlich buchstabiert, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, etwas zu verstehen. Als ich ihm das erklärte, reagierte er relativ ungehalten. Den krönenden Abschluss bildete eine SMS „Write a short essay about High School Students having jobs and earning pocket money – 40 Words okay, quickly!“ Dass ich das in einer SMS nicht leisten könnte, fiel ihm anscheinend garnicht ein. Also hab ichs im geschrieben.

Wie zu erwarten war, hatte er 36/100 Punkten in dieser Prüfung eingesackt. Wofür er zumindest teilweise anscheinend mich verantwortlich machte, denn hinterher sagte er mir, wenn er das gewusst hätte, hätte ich mit zur Schule kommen müssen und ihm durchs Fenster helfen müssen. Spätestens dann dachte ich mir, dass ers eigentlich nicht anders verdient hat.

Nächstes Thema: Sein Geburtstag. Der war am 03. November und wurde mit einem Restaurantbesuch begangen. Ich habe ihm ein Bayern-München Fan-Tshirt geschenkt, worüber er sich freute wie ein Schneekönig. Bei dem Restaurantbesuch waren seine Mutter und Großmutter sowie drei Freunde und ich dabei. Das Essen war nicht spektakulär, aber zwei Dinge waren bemerkenswert und auf die möchte ich hier eingehen. Das waren der Wein und die Torte.

Ersterer war anscheinend teuer gewesen, ein edler chinesischer Rotwein (sagten Jiaxing und Kumpanen, ich kann das nicht beurteilen). Selbst mitgebracht ins Restaurant. Das allein ist für mich natürlich schon befremdlich, dann aber auch noch die Kellner und den Geschäftsführer zu kritisieren, weil nicht mehr als drei Rotweingläser im Haus sind, fand ich schon sehr komisch.
Im Gegensatz zu mir und allen anderen, glaubte einer von Jiaxings Freunden, sehr viel Ahnung vom Rotweintrinken zu haben. Also machte er ein unglaubliches Geschiss, beanspruchte den Job des Mundschenks und Weinberaters ausschließlich für sich und erklärte allen, was sie zu tun hätten. Und das war vielfältig, er goss sehr wenig Wein ein und schwenkte, schüttelte und ließ stehen, roch, nippte, wiederholte das ganze, rollte schließlich sogar das Glas auf dem Tisch. Das nervte mich ungemein, aber lachen musste ich später, als ebendieser Weinkenner befand, das Getränk sei ihm zu sauer (was, verglichen mit chinesischen Alkoholika auch nicht besonders schwer ist) und als Konsequenz den guten Wein mit Sprite verdünnte, was sogar ich, der ich keine Ahnung habe, als Verbrechen erkenne.

Zur Torte. Die sah sehr... amerikanisch aus, groß und voll mit Sahne, Früchten und viel undefinierbarem Schmier. Sie stellte sich als Buttercremetorte heraus, die hielt, was ihr Name und ihr Ruf verspricht, nämlich unglaublich schwer im Magen zu liegen und seehr fett zu sein, sodass ich noch nichtmal ein Stück essen konnte. Ansonsten war sie aber lecker. Das und die doch bessere Örtlichkeit hielten Jiaxings Freunde allerdings nicht davon ab, diese Torte als Abschluss in seinem Gesicht zu verteilen und eine kleine Tortenschlacht abzuhalten.

Wieder an der Schule, musste ich erschreckendes feststellen. Zwei meiner Mitschüler entblödeten sich nicht, Hakenkreuze hinten auf ihre Schuluniformen draufzumalen, teilweise in Herzen gerahmt und ziemlich beiläufig, wenn nicht sogar befürwortend. Mir wird wirklich physisch schlecht, wenn ich das sehe und hege jetzt einen Groll gegen diese beiden meiner Mitschüler, der aber an sich durch deren Charakter schon berechtigt genug wäre.
Als ich sie fragte, was das ist und soll, meinte der eine nur, „das habe ich gemalt“ und der andere meinte das sei lustig und interessant (was sich im Chinesischen nur schwer unterscheiden lässt, das Wort ist das gleiche: 有意思)
Bei dieser Frage hab ichs erstmal belassen, aber wenn es sich ergibt, werde ich denen mal ein wenig den Kopf waschen.

Gestern war ich (relativ kurzfristig) auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft Peking. Eine insgesamt sehr gelungene Efahrung für mich. Ich weiß jetzt, wie man zur Botschaft kommt, was sehr zeitintensiv aber unglaublich einfach ist. Ich habe gaaaanz viele Deutsche und andere Ausländer gesehen. Alles war da, Italiener, Deutsche, Franzosen, Engländer, spanisch hab ich auch gehört, Chinesen und ein paar Amerikaner glaubich auch. Das war wirklich wie auf dem Weihnachtsmarkt, nur doppelt so voll (und natürlich kleiner und so).  Ich musste eine halbe Stunde anstehen, weil nur Leute reingelassen wurden, wenn welche rausgingen. Anders als zu erwarten waren die Sicherheitsleute nicht grummelig und genervt von den unglaublich vielen Leuten an einem kalten Tag, sondern fröhlich, mit Weihnachtsmannmützen und immer für ein Späßchen aufgelegt ("Soso... Felix Bode, 16. Na dann mal rein mit dir, sauf nicht zuviel Glühwein!" Auch sonst eine sehr nette Atmosphäre, was zum Teil wahrscheinlich auch dem Klientel der Langnasen entspringt, die nach China gehen. Schon von den Klamotten her: Gaaanz viel "The North Face", "Jack Wolfskin" und Öko-Ethnohippiefransenklamotten und fast garkeine "Gucci", "Dolce&Gabbana" etc. Natürlich alles schweineteuer, noch teurer als auf einem deutschen Markt, aber dafür auch ausschließlich für gemeinnützige Organisationen im Raum Peking. Habe ein bisschen Weihnachtsmarktflair genossen, mit Glühwein, Fleischbrötchen mit ketschapp und senf und Kakao und Kuchen und so weiter.

Nun einmal ein kleiner Absatz zu meiner Selbstständigkeit. Damit ist es, verglichen mit Deutschland nicht weit her. Aber es hat sich schon gebessert. Ich kann mich in Peking mittlerweile frei bewegen und dank einer ÖPNV-Dauerkarte, die ich jetzt endlich habe, ist das auch erheblich unkomplizierter geworden. Aber leider gelten immernoch die ASSE-Regeln, die meine Familie leider als bindend betrachtet, das heißt, ich darf nur zuhause schlafen, muss um 10 zuhause sein etc. (Jiaxing übrigens auch, obwohl er 19 ist. Wenn er um 20:00 nach Hause kommt, kriegt er schon Ärger von seiner Mutter.) Diskos werd ich wohl nie von innen sehen, obwohl mir das schon einige Deutsche empfohlen haben. Außerdem habe ich keinen Schlüssel. Und nicht das Gefühl, dass sie das ändern wollen. Also werde ich wohl demnächst mal danach fragen, denn gestern musste ich schon zum zweiten mal vor der Tür warten weil Jiaxing weg und seine Mutter einkaufen war. Ich hab Schiss davor, zu fragen...

Die Gratwanderung zwischen Anpassung und Selbstbestimmung/-behauptung fällt mir sehr schwer. Normalerweise bin ich mit Kritik an Regeln und System ja nicht so zimperlich, aber sonst habe ich auch meistens mehr Rückhalt von irgendwo und sonst hängt auch nicht soviel davon ab.

Das ist schon wieder ziemlich lang geworden... Und ein zwei kleinere Sachen fallen mir sogar noch ein, die ich schreiben könnte. Mach ich aber jetzt nicht, weil ich keine Lust habe und die auch nicht so wichtig sind.


2.12.07 05:43





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