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2.2.08 14:55


Frühlingsfest und Gude Laune

Ich hab ja versprochen, dass zum Frühlingsfest noch was kommt, und hier ist es. Zugegebenermaßen bin ich ein fauler Mensch und habe das hier nicht alles neue verfasst, sondern zu Teilen aus einer email kopiert, die ich meiner wundervollen Familie geschrieben habe. Jetzt aber trotzdem ruhig weiterlesen, es wird kaum eine hundertprozentige Kopie sein. :-) Es wird wohl was dauern zum nächsten Eintrag, am Montag fängt nach einem Monat Ferien die Schule wieder da, worauf ich überhaupt keinen Bock hab. Null. Wahrscheinlich sogar eher weniger.

Zu allererst, zur Erklärung, das Frühlingsfest ist nicht ein Festtag oder so. Das wäre wie zu sagen, Ostern sei nur Ostersonntag. Vielmehr geht das Frühlingsfest, wenn ich Jiaxing richtig verstanden habe, ganze fünfzehn Tage. Allerdings wird nicht die ganzen zweieinsiebtel Wochen durchgefeiert, stattdessen gibt es ein paar Tage, die besonders sind und begangen werden, der Rest ist nicht als Feiertag erkennbar.

Zweite Erklärung: In chinesischen Festen/Feiertagen/Begehenswürdigkeiten aller Art nimmt das Essen eine ungleich höhere Priorität ein, als in europäischen Festen. Noch höhere. Während zumindest in Deutschland keine feste Vorgabe herrscht, was man zum Beispiel an Weihnachten isst, gibt’s hier für jeden gottverdammten kleinen Feiertag ein sehr spezielles Essen, das noch nichtmal gemocht werden muss, sondern gegessen wird, weils auf dem Feiertagskalender steht. In meinen Augen ist das ganze soweit schon soweit pervertiert, dass die Feste nur noch aus Essen bestehen. Letztens war mal wieder ein kleiner, unbedeutender Feiertag, einer, an dem man so klebrige Klumpen aus Reismehl mit süßer Füllung essen muss. Und es gab noch nichtmal irgendeine Art Zeremonie, nur die Schüssel mit den Bällchen wird mir auf den Schreibtisch gestellt, während ich am Computer sitze. Begleitet von einem Kommentar à la „heute ist der Soundso-tag, da muss man Klebreisfüllungsklumpen essen.“

Also. Zum Frühlingsfest selbst, 6./7. Februar. Großmama kommt vorbei und natürlich wird erstmal gegessen, allerdings nichts soo besonderes. Dann schaut die Familie ganz viel fern, was wirklich traditionell zu sein scheint, weil die andern das auch erzählt haben. Es läuft auch hier am Frühlingsfest ganztags eine spezielle Frühlingsfestshow, die allerdings genauso grauenhaft ist wie der Rest des Programms hier. Die Chinesen wollten auch kaum glauben, dass an Weihnachten im Fernseher nicht so viel läuft, weil kaum einer vor der Glotze hängt.

Dann "fang paozhu". Böllern. War auch nicht soo besonders, weil mir das schon seit zwei Wochen auf die Nerven ging, dass jeder draußen böllert, und das bei den dicht stehenden Häusern mit Dreifachecho und den supersensiblen Autoalarmanlagen, die angehen wenn in der gleichen Straße ein Böller abgeht. Draußen also wars vor allem seehr laut. Und nicht so hübsch wie unser Silvester, hier stehn die ja so auf diese Böllerketten, die sich so maschinengewehrmäßig anhörn, verdammt laut und mit viel Rauch. Das Böllern geht auch noch weiter, bis heute. 24/7. Ganz nett ist es, wenn man zum Beispiel im Bus sitzt und durch die Stadt fährt und rechts und links leuchten die Feuerwerkskörper auf.
Nach Mitternacht gabs dann endlich das traditionelle Essen, Jiaozi (vergleichbar mit Tortellini) mit speziellem Essig, der an einem ganz bestimmten Tag ungefähr drei Wochen vorher vorbereitet wurde. Und fertig war das eigtl Frühlingsfest (also so vorbei wie unser Wehnachten nach den Geschenken ist). Normalerweise, nach allem was ich gelernt habe, hätte es noch „Hongbao“ (roter Umschlag) geben müssen. Rote Umschläge mit Geldgeschenken für die Kinder der Familie. Gabs aber nicht, ich schätze mal, dass Jiaxing dafür schon zu alt ist.

Dann waren ein paar Tage für die Familie bestimmt, das heißt, man darf nichts außerhalb machen. Was bei meiner unglaublich aktiven Familie bedeutet, dass man fernsieht bzw computert. Doch zwei Gelegenheiten sollte es noch geben, an denen dicke Aktion lief. Ein paar Tage später nämlich standen wir um... viel zu früh auf und machten uns im Auto auf in Richtung so'n Wellnessschwimmbad. Ich hab mich schon gewundert, warum man da morgens hinfahren muss, aber es sollte noch schlimmer kommen. Erstmal war die ganze Familie mütterlicherseits da, ziemlich nette Leute, die mich natürlich gaaanz toll fanden. Zuerst hat also die ganze Familie in einem pisswarmen Becken abgehangen. Dann Tee getrunken und gegessen. Dann abgehangen, später in eine Trockensauna, was nicht soo toll ist. Ich wurde allgemein für mein Durchhaltevermögen in derselben bewundert. Dieses ganze Wellnesschwimmbaddingens war gegliedert in verschiedene Teile, einmal den öffentlichen, wo das Schwimmbecken (übrigens ziemlich einfach, einfach nur ein Schwimmbecken mit drei Bahnen, keine Spirenzchen) und ein, zwei Pisswarmbecken sind. Da laufen alle in Badeklamotten oder so hauseigenen Kittelchenbademantelkimonoleinenfummeldingens rum. Dann die geschlechtsgetrennten Bereiche, jeweils hinter den Umkleiden. Hab natürlich nur den Herrenteil gesehn. Da laufen alle nackt rum. Da gibts die Saunen, mehr Pisswarmbecken, Duschen, Massage und ein Mineralwasserbecken mit braunem Pisswarmwasser. Und die ganz harten gehn da in das Kochendheißbecken. Ganz hart war ich auch, weil ich nach dem Saunen immer in das Eiskaltwasserbecken gegangen bin, wofür mich die ganzen nackten alten Säcke da sehr belustigt anschauten. Überhaupt sind die eher langsam und zurückhaltend. Wenn mir Wasser zu kalt ist, dann spring ich rein, das fanden sie ganz komisch.

Irgendwann hatte ich genug und fragte Jiaxing, wann wir eigentlich zurück wollten, das war so gegen zwei mittags. Hab erst sehr spät verstanden, dass "maybe tomorrow" kein Witz war.
Die hatten da nämlich 'ne VIP-Karte, und ergo ein VIP-Zimmer, wo Betten drinstanden. Also hab ich Mittagsschlaf gehalten. Dann wieder duschen, saunen, schwimmen, baden, essen, saunen, duschen, saunen, baden, schwimmen, saunen, essen, baden, saunen, baden, saunen, essen und nochmal saunen. War irgendwie dann doch ganz witzig, ich weiß eigentlich auch nicht warum.
Jiaxing kann übrigens nicht schwimen. Überhaupt nicht. Er fragte mich nachher auch, ob ich's ihm beibringen kann, was ich dann auch versucht hab. Geht natürlich nicht von jetzt auf gleich, zumal hab ich gemerkt, dass ich selber nicht mehr so gut bin wie ich mal war. Meine Ausdauer ist total arm, habe kaum zwei Bahnen Brustschwimmen hinbekommen...

Sehr spät zu Abend gegessen, wieder wurde ich mit Komplimenten überhäuft, von wie toll ich die Stäbchen benutze bis zu wie locker ich den Schnaps trinke (bin ja schließlich Deutscher, die vertragen alle tierisch viel!^^) Die Erwachsenen haben wohl noch bis spät in die Nacht/früh am Morgen Majiang (bei uns bekannt als Computerspiel unter dem Namen „Mahjong&ldquo gezockt, da gabs so einen elektrischen Majiangtisch, der automatisch die Steine mischt und ausgibt und sowas. Ich hab gepennt. Am nächsten Morgen natürlich total früh aufstehn, nochmal Duschen, Böllern, sich fast darum schlagen, wer zahlt und dann endlich weg. Das mit dem drum Schlagen wer zahlt ist übrigens andersrum als man denkt. Meine Gmama wollte ihrer Schwester das Geld zurückgeben, wogegen diese sich allerdings ziemlich rabiat wehrte. Unter großem Geschrei und Zuhilfenahme von Händen und Füßen gewann dann letztere und bezahlte also alleine.

Nun eine besondere Aktion. Die ASS(E)-Leutz um Peking fandens doof, dass besagte Organisation Spaßverbot ausgerufen hatte und dass der Monat Ferien ohne irgendeine Aktion verstreichen sollte. Also fragten wir, ob denn ASS(E) irgendwas plant. Manche Organisationen haben so etwas nämlich, ein sogenanntes „Midstay-Camp“, bei dem sich die Schüler in der Mitte des Aufenthalts nochmal treffen. ASS(E) in Form von Marina, meiner aktuellen Hassfigur, meinte, sie planen etwas, aber es gebe noch nichts genaues, sie werden uns Bescheid geben, sobald sich das ändert. Das war so zirka um Neujahr rum. In Deutschland wär das ja schon spät, nur einen Monat vor dem potentiellen Termin. Aber die Chinesen planen ja nicht so langfristig, also waren wir noch nicht misstrauisch. Das änderte sich , als die Ferien schon fortgeschritten waren. Immernoch hieß es auf Anfragen das gleiche, man werde uns sagen, wenn man neues wisse. Schließlich waren meine Erzeuger so freundlich, bei iST (die deutsche Orga) nachzuhaken. Die mussten dann auch noch nachhaken, und erst dann, über zwei Ecken hab ich erfahren, dass ASS(E) garnix plant. Also beschlossen wir, selber was auf die Beine zu stellen. Mithilfe eines „Independent Travel Release Form ASSE China“ verschafften wir uns vier Tage, in denen weder ASS(E) noch die Gastfamilie für uns verantwortlich war und ergo nicht über uns bestimmen konnte. Wir beschlossen, in Beijing in eine Jugendherberge zu ziehen und dann tierisch einen draufzumachen.
Die Jugendherberge heißt Leo-Hostel und ist sehr angenehm. Kommt natürlich nicht an deutsche Hygiene- oder Komfortstandards ran, man muss fünf Minuten warten, bis warmes Wasser aus der Dusche kommt. Aber sehr nette Angestellte und Gäste (alles Backpacker oder ähnliches, viele Skandinavier also), viele nette Sachen, wie gutes Essen oder öffentlicher Fernseher mit PC und viel kuhler Musik und Filme, Mehrere Ausflugangebote, relativ billig und zu den Zielen, die man auch echt mal sehn will, unbekanntes Mauerstück, Mongolei, Akrobatik und Pekingoper und so. Kostenloses Wlan in den öffentlichen Bereichen, kostenlose Internetcomputer etc.
Nachdem wir uns da einquartiert haben, sind wir abends schon auf die Suche nach 'nem Tanzschuppen gegangen und haben was ziemlich ätzendes gefunden. Leer, keine tolle Mucke und komische Leute. Witzige Anekdote: Aufgrund meiner langen Haare werde ich von einem Großteil der Chinesen noch immer für ein Mädchen gehalten. (Ich hab mir von mehreren deutschen Freunden versichern lassen, dass das absurd ist, nur zur Sicherheit xD). Aber das hat mir noch nie viel ausgemacht, ich fand es immer eher witzig, die Blicke, die unsicher zwischen mir und der Klotür hin und her wandern, durch die ich gerade gegangen bin. Oder der eine Betrunkene, der in die Toilette kam und wie versteinert stehen blieb als er mich am Pissoir sah, und offensichtlich dachte „Oh mein Gott, bei dem Mädchen da sind aber nicht nur die Haare komisch...“. Die witzigste Geschichte passierte aber in eben jenem Club. Auf der Tanzfläche nämlich, da war ein Typ, der sich ziemlich eindeutig für den größten Aufreißer Pekings hielt. Und der hatte dann ein Auge auf mich geworfen. Und kam dann an und tanzte mich an, seeehr aggressiv, Hüfte an Hüfte und mit zweideutigen Blicken. Ich musste mich beherrschen um nicht laut loszulachen.


Am nächsten Tag haben wir uns in der Gegend was umgesehen, sehr nett da. Um Qianmen rum.
Dann sind wir mit ein paar crazy Leuten aus USA/GB/Irland/Kanada gegangen und haben in einem viel besseren Club in Luisas Geburtstag reingefeiert. Sehr kuhl. Fast nur Ausländer, trotzdem vergleichsweise billig und so.
Zur Krönung haben wir in einem deutschen Restaurant gegessen, "Schindlers Tankstelle", und da hab ich erst gemerkt, wie sehr ich das deutsche Essen vermisst hab. Das war wie ein körperliches Bedürfnis, dass ich da verspürt habe, als ich das warme Brot mit der Butter in den Händen hielt. Und der Kassler... und die Spätzle... Und dass wir uns die chinesischen Sitten angewöhnt haben haben wir auch gemerkt. Tief überm Teller und die zu langen Spätzle nicht schneiden oder ganz auf die Gabel heben, sondern reinziehen, zusammen von einem Teller essen usw.
Sehr gutes Essen wars.

Obwohl ASS(E) merklich angepisst war, dass wir uns so selbstständig gemacht haben, haben wir beschlossen, dass das nicht die letzte Aktion dieser Art war. Angepisst bin ich von ASS(E) auch, wie man vielleicht merkt. Ich bitte um ein Kommentare à la „Mann, ihr tut mir leid mit so einer Kackorga, gut, dass ihr denen mal einen reingewürgt habt.“

Montag fängt die Schule wieder an. Und etwas anderes ändert sich auch. Jiaxing wechselt die Schule, denn er will seinem Englisch nochmal einen Schub verpassen, bevor er bald nach Kanada geht um zu studieren. Auf der anderen Schule schläft er im Dormitory (gibt’s da ein deutsches Wort für?), was dazu führt, dass ich in der Woche das Zimmer für mich hab und mit Gmama alleine bin. Bin mal gespannt wie das wird.

So. In Open Office bin ich jetzt am Ende der Seite drei, also ist dies auch mal wieder einer der längeren Einträge. Viel Spaß damit, nachträglich sozusagen.

23.2.08 06:39





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