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August/September

Mir fällt kein Titel ein. Schließlich schreib ich ja auch nicht über eine Sache sondern über das große Ganze. Hmmmm...

Also ich erzähl euch einfach mal, was letzte Woche so passiert ist. Abgesehen vom Üblichen. Erstmal war ich am letzten Sonntag von einem Freund und Ex-Kollegen meines Vaters zu einem Essen eingeladen worden. Zusammen mit dessen Studenten, ein Abschlussessen eigentlich, aber wir waren offensichtlich gern gesehene Gäste. Wir sind Jiaxing und ich. Alleine hätte ich weder gedurft noch da hingefunden. Das war eine Odyssee durch den Haidiandistrikt mit Bus und Bahn, nach der ich das Gefühl hatte, ich müsse eigentlich schon am anderen Ende der Stadt sein.

Das Restaurant war gut, Yunnan-Küche. Das ist in Südchina. Ich habe keinen großartigen Unterschied feststellen können. Jiaxing meinte, er möge keine Yunnan-Küche. Na gut. Ich mag ja auch keine Weißwürste...
Sehr nette Studenten waren das. Haben sich sehr für mich interessiert und auch sogar für meinen Hintergrund und nicht nur für meine blonden Haare und blauen Augen.
Reiswein hab ich getrunken. Sehr süß, aber lecker.

Bleiben wir beim Essen. Hund. Der große Moment, der von allen Deutschen mit unglaublichem fasziniert-angeekeltem Respekt betrachtet wird, er war da. Es gab Hund. Aber nicht etwa als Steak. Irgendwie hatte ich mir das immer als großes Fleischstück vorgestellt. Keine Ahnung warum, schließlich gibts hier überhaupt keine großen Fleischstücke im Essen.
Jedenfalls war es Wurst. Oder sagen wir lieber... Brotaufstrich. Sah aus wie Dosenfleisch, corned beef oder so. Hat nicht sehr speziell geschmeckt, sondern wie Dosenfleisch halt schmeckt.

Ich hab mich so auf die Ferien gefreut. Ok, die bleiben mir ja auch erhalten, aber mir ist die Kinnlade heruntergerutscht, als Jiaxing mir den Elternbrief übersetzt hat. Den Elternbrief, der darüber informiert, dass wegen der Ferien (1 Woche anlässlich des Nationalfeiertags ab dem 1.10.) am Wochende davor Schule haben. Das ist so, weil der Staat der Schule
nur ein paar Tage und ein Wochenende zu Ferien zur Verfügung stellt. Und weil die Schule nicht den Schülern Mo-Do freigeben und dann am Freitag wieder antreten lassen will, ist am Wochenende davor eben Schule. Hä? denkt ihr jetzt. Beruhigt euch. Ich habs auch nciht verstanden. Und ich fands im ersten Moment auch ziemlich absurd. Naja. Eigentlich jetzt immer noch [img]http://img383.imageshack.us/img383/18/iftherewasanemoticonbyaugestqx6.gif[/img]

Die Schule wird besser... Chinesischunterricht macht mehr Spaß als anfangs und ich versteh zwar immer noch nicht genug, aber dafür hab ich jetzt jemanden, den ich als Freund bezeichnen würde. Yan Cong Hao heißt der und ist cool. Der hört die richtige Musik, hat die richtige Einstellung zur Schule und zum Leben im Allgemeinen. Mit ihm hab ichs sogar schon geschafft, mich ansatzweise über Politik zu unterhalten (Only one party in china? 不好! Außerdem ist er nett und sehr geduldig mit mir.

Ich habe im Bus zwei Italienerinnen gesehen. Das war komisch. Denn eigentlich hatte ich mir vorgenommen, (ethnische) Europäer anzusprechen, aber irgendwie wollte ich nicht. Vielleicht, weil sie so in ihr italienisches Gespräch vertieft waren. Wahrscheinlich eher, weil ich so geschockt war. Geschockt, dass da zwei offensichtliche Nicht-Chinesen vor mir sitzen und dass ich mit ihnen trotzdem fast genausowenig gemeinsam habe wie mit den Chinesen. In meiner Vorstellung waren alle Europäer so wie ich und ich konnte mich sofort mit ihnen verständigen. Ich hab garnicht realisiert, dass Europa nicht ein Land ist... das war irgendwie komisch. Kann das jemand nachvollziehen?

Ich habe meinen Vater kennen gelernt. Nein, hier geht es nicht um die 76889054431. GZSZ-Folge, sondern um meinen Gastvater. Der war bis jetzt auf Geschäftsreise. Jetzt ist er jedenfalls wieder da. Ziemlich knorker Typ. War früher mal Profisänger, hat aus gesundheitlichen Gründen aufgehört, vllt. weil er raucht wie ein Schlot. Jiaxing übrigens auch, nur nebenbei. Der Vater hat aber immer noch eine total schöne Stimme, so brummig und tief und beruhigend und so... *brummbrumm*
Auch abgesehen von seiner Stimme ein sehr angenehmer Zeitgenosse, hilft im Haushalt mit und redet fröhlich mit mir, obwohl ich nur die Hälfte dessen verstehe was er sagt. Lacht viel. Wie die ganze Familie.

In der kommenden Woche, in der ja Ferien sind, werde ich wahrscheinlich von "Sight" zu "Sight" tingeln und gaaanz viele Fotos schießen, die ihr zumindest teilweise zu Gesicht bekommen werdet.

Das wärs dann erstmal wieder.


 

30.9.07 18:17


Soo, Zeit mal wieder für einen Eintrag.

Wo fang ich an... Mit dem schlechten am Besten, das was zuletzt gesagt wird, bleibt besser hängen.

Es sind zwei Menschen in mein Leben getreten. Also nicht so, wie man in einen Raum tritt oder in einen Verein. Sondern so wie man in eine Tür tritt oder in einen Hintern. Und ich bin in ihr Leben getreten wie man in einen Hundehaufen tritt. Diese beiden Menschen, deren Namen ich nicht nennen möchte, weil ich sie nicht genau weiß, nenne ich die Jonksekretärin und den Jonkopa. Der Begriff "jonken" ist während meiner glorreichen Zeit im Stamm Sperber (die noch lange nicht um ist) in mein Hirn diffundiert und bedeutet soviel wie "nerven".

Eigentlich möchte ich das garnicht schreiben. Das soll ja kein Lästerblog werden hier. Ich lass es also. Das da oben reicht. Insiderinfos gibts vielleicht auf ne email

Seit heute morgen habe ich Chinesischunterricht mit besagter Jonksekretärin. Spaß tendiert gegen null, ich glaube aber, der Erfolg wird sichtbar sein. Obwohl ihre Prioritäten im Chinesischlernen andere sind, als es meine wären. Sie fängt mit Sprachtheorie an. Zum Beispiel, welche Konsonant-Vokalkonstruktionen sind im chinesischen möglich? Auf welchen Vokal setzt man im geschriebenen Pinyin den Ton? Was für den praktischen täglichen chinesischgebrauch völlig irrelevant ist. Das ist ein bisschen, als würde man einem Deutschsprechlerner als erstes den Unterschied zwischen ss und ß erklären. Da hört man den Unterschied wenigstens noch.

Mein Chinesisch wird trotzdem besser, weils mir mittlerweile mehr Spaß macht, zu reden. Schließlich habe ich mich ein paar Leuten in der Klasse angenähert. Seehr coole Leute. Total freundlich und geduldig mit mir, obwohl ich oft sehr spät erst verstehe. Interessendeckung ist sogar auch da. Selten genug, dass jemand System of A Down oder Linkin Park kennt hier.

Habe letztes Wochenende meine erste Beijing-Nachtleben-Erfahrung gemacht (also Nachtleben = 21:00) Wir waren mit einem Freund Jiaxings in einer riesigen Internetbar. Wow! Die war groß! 100 Computer bestimmt. Und überall saßen picklige Brillenträgerchinesen mit fettigen Haaren, die sich den ganzen Tag nur von dem ernähren, was die Bar da anbietet (Cola, Grüntee, Chips) Also gibt es sowas nicht nur auf unseren LANs sondern auch in Peking! Wow! Und da haben wir uns jedenfalls so Computer "gemietet" und CS gezockt. Ich hab natürlich verloren. Aber ich bin auch aus der Übung. Für die, die Ahnung haben, hier ein kleiner Einschub:

Ich bin natürlich nicht gerade gut, aber einen beträchtlichen Teil zu meiner Niederlage hat auch deren AWP-Laming und Rumgelucke beigetragen. Absolut kein Aim. Camping noch dazu. Ich hab versucht, meine Zockerehre aufrecht zu erhalten. Kein Witz und keine faule Ausrede. Ehrlich!

Später haben wir noch ein Bier getrunken. Chinesisches Bier. Sehr in Ordnung, sehr trinkbar (sag ich jetzt mal als einer, der Bier nicht sooo toll findet und deswegen kaum Ahnung hat). Auf der Flasche stand 10 Umdrehungen, hat aber jedenfalls nicht so geschmeckt.
Achja, erzählts ASSE nichts

Ansonsten hab ich jetzt eine eigene Kamera! Juhuuu! Es sind auch schon neue Fotos im Pixumalbum. Angucken! Und ich habe mir den Harry Potter 7 auf englisch gekauft und heute ausgelesen. Mann ist das ein geiles Buch! Meine Hände haben im Unterricht noch gezittert, wenn ich in der Pause gelesen habe. Jetzt hab ich nix mehr zu lesen Und werde wohl kaum wieder etwas vergleichbares so bald bekommen. Sind nämlich schweinisch teuer, englische Bücher.

Das Wetter ist schlechter geworden. Es regnet jetzt öfter, was zu Straßenüberschwemmungen führt, weil die Abflüsse hier offensichtlich nicht so gut funktionieren.

Sonst noch was? Ich glaub nicht.

Sonst nix.

20.9.07 16:39


Menno, jetzt hört doch mal auf zu nörgeln! Ich schreib ja schon, ist ja gut! Ihr solltet mal auch genauso oft in die "Essen-" und "Chinesen"Abteilung schauen. Da passiert öfter was. Weil ich nicht für jede Kleinigkeit einen neuen Eintrag machen möchte.

Viel ist nämlich nicht passiert in der letzten Woche. Die Schule pendelt sich bei mir ein, mein chinesisch wird langsam besser, ich werde immer weniger der Aufreger an der Schule und ich werde morgens immer müder. Keine Ahnung warum. Jiaxing hat gestern sogar einen Schritt in Richtung Menschenrechte gemacht und angekündigt, wir würden ab heute später aufstehen. 5:20 also. Mann hab ich mich gefreut! Ihr wisst ja garnicht, wieviel 20 Minuten sein können

Wir kommen trotzdem noch zu früh zur Schule, weil wir nämlich dafür Jiaxings Freundin nicht mehr abholen. Also schlaf ich in der Schule nochmal. Wie alle anderen auch. Heute und gesetern hab' ich erstmals ziemlich viel in der Schule geschlafen. In jeder Pause. Und einmal im Unterricht. In Musik. Aber da lernen ja auch noch nichtmal die aufmerksamsten Chinesen etwas. Der Lehrer lässt nur Leute vorsingen oder spielt klassische Musik ab. Dabei schlendert er durch die Reihen. Scheint ihn auch nicht zu stören, dass die Leute ihre eigene Musik im Unterricht aus dem MP3-Player lieber hören

Sport ist auch witzig. Hat mich ein bisschen an den Film "Napola" erinnert. Alle in reih und Glied antreten, Synchrondehnen, Synchronhüpfen, Laufen, wieder dehnen. Das wars dann auch. Ich dachte, wir wären grad mit aufwärmen fertig, als uns der Lehrer wieder in die Klasse schickte.

Niemand macht beim Sport richtig mit. Alle versuchen sich zu drücken, so gut es geht. Letztens gabs übrigens fast eine Prügelei, ich weiß nicht wieso. Der Koreaner hat mir gesagt, dass Chinesen wohl gerne schnell mit Schlägen zur Hand sind.

Das wars dann auch eigentlich schon...

Das war alles, was passiert ist.

Sonst nix.

12.9.07 15:04


Nervig...

Ob ihr's glaubt oder nicht: Ich habe sogar hier einen Haufen Verehrerinnen. Leider. Naja, Verehrerinnen ist vielleicht zuviel gesagt. Oder verehrt ihr die Erdmännchen, die ihr euch im Zoo anguckt? An deren Scheibe ihr klopft und "Hey! Mach mal was!" ruft? Seht ihr?!

So ist es auch mit denen und mir. 10 Mädchen stehen um mich rum und fragen mich aus. Sind die Haare echt? Wieso sind die blond? Wieso hast du blaue Augen? Wie alt bist du? Wieviele Sprachen sprichst du? Welche? Sprichst du außerdem noch Kisuaheli/vietnamesisch/arabisch/Thai/usbekisch etc.? Wo kommst du her?

Bin halt ein Kuriosum hier. Dass alle meine Haare antatschen, merk ich ja schon garnicht mehr, das kenne ich ja sogar aus Deutschland zur Genüge (die fragen wenigstens^^) Aber eine von denen hier, stupst plötzlich als ich weggucke, meinen Arm ängstlich vorsichtlich an. Weil ich so sexy Armhaare habe. Hat hier sonst kein Junge...

 

So. Soviel zu Mädels. Jetzt komm ich mal zu Jiaxing. Ich mag ihn sehr gerne. Is'n cooler Typ. Aber...

(Themensprung *hüpf*)

Ich dachte bis jetzt immer, wir müssten um 5 aufstehen, weil die Schule so früh anfängt, der Bus so lange braucht/so selten kommt oder weil die Gmama uns um 5:30 rausschmeißt weil sie ihre Ruhe haben will. Alles ok. Die lange Pause vor Stundenbeginn hab ich aus Müdigkeit oder Aufgeregtheit oder aus sonst einem Grund kaum wahrgenommen.

(Themensprung zurück *hüpf*)

...heute erfuhr ich von der geschwätzigen Sekretärin, dass Jiaxing so übervorsichtig ist, dass er 50 Minuten (!) Zeitpuffer eingebaut hat, falls der Bus nicht kommt/in den Stau gerät/der Atomkrieg ausbricht/ein Meteorit einschlägt oder ähnliches. Ich war geschockt. Geht's dem noch gut? Wir könnten bestimmt eine halbe Stunde länger schlafen. Und wenn man denn zu spät kommt, sagt man halt einfach: "Tut mir leid, unterwegs im Stau schlug ein Meteorit ein, Der Bus kam nicht und ein Atomkrieg brach aus." Wahrscheinlich gibt das einen Klassenbucheintrag, aber ich bitte euch. Sagt mir, wäre das nötig?

Das ist bis jetzt die einzige Marotte, die mich wirklich ankotzt.

Sonst nix

 

5.9.07 15:44


Schule

03.09.07 21:35

So. Eigentlich wollte ich das hier schon gestern schreiben. Aber Jiaxing wollte unbedingt dass ich mit ihm "Pönuschton" lerne. Was? "Prörschtoaziorn" Was? "Pornschton" Achso. Pronunciation. Ja dann...

So, ich komme zur Schule ("komme" bezeichnet hier eine literarische Metapher, keine Verb der Bewegung). Ich bin gestern erstaunlich gut rausgekommen. Um 5. Als Wermutstropfen ist meine Uhr um halb zehn stehen geblieben. Allerdings versteh ich nicht, warum wir so früh aufstehen. Wir warten nämlich an einer anderen Haltestelle 20 Minuten auf Jiaxings Freundin. Diese ist übrigens als solche dem ungeübten Auge nicht sofort zu identifizeren. Die beiden Schnuckis schlagen noch nicht einmal ein zur Begrüßung. Geschweige denn, dass sie sich umarmen. Oder küssen (Iiiiih). Jedenfalls könnte ich mir auch vorstellen, später aufzustehn und weniger zu warten, aber ich hab ja hier nix in der Hand ausserm Wörterbuch.

In der Schule angekommen, wurde ich von Lehrer zu Lehrer geschickt. Ich bin immer ein bisschen verwirrt, weil hier alles "Laoshi" ist. Lehrer, Sekretärin, Aufseher, Folterknecht und Hausmeister. Schulpersonal ist alles "Laoshi" deswegen weiß ich nicht so, bei wem ich alles war. Jedenfalls lande ich am Schluss bei so einer Sekretärin, die leider ziemlich gut englisch spricht. Sonst müsst ich ihr Geschwalle wenigstens nicht verstehen. Die hat eine ziemlich nervige Art. Ist leider trotzdem für mich zuständig. Mann, ich zieh hier die ganze Zeit über irgendwen her. Ich bin ein böser Mensch.

Die wies mich ein. Zeigte mir alles. Ist im Gegensatz zu vielen anderen chinesischen Schulen kein riesiges Monstrum mit 2500 Schülern. Sondern klein und gemütlich. Also von außen. :-)

Der Unterricht läuft ziemlich einseitig ab. Auf Seiten des Lehrers. Die Schüler machen garnix, außer manchmal etwas wie "Jaaa", "Du sagst es!", "Eh wat Eh?" oder einfach "Jo" reinzurufen. Das diente aber immer nur zur Unterstützung der Rhetorik des Lehrers. Das können sie. Reden. Erheblich besser als unsere Lehrer. Einer von denen hat mich sogar gefesselt, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Dafür sind unsere Lehrer didaktische Genies gegen die Chinesen. Weil man im Unterricht nur selten etwas tun muss und trotzdem bis 17:00 Schule hat, spielen die SChüler halt unter der Bank mit ihren Handies oder schreiben Zettelchen. Und schlafen. Ich hab jetzt in den zwei Tagen mehr Leute im Unterricht schlafen sehen als in meinem ganzen vorherigen Leben. Bei 40 Leuten im Raum kann der Lehrer das auch kaum überblicken.

Dafür gibts dann so Leute ("Laoshi", ich würd sie irgendwo zwischen Hausmeister und GeStaPo-Aufseher einordnen.). Die laufen an den Klassen vorbei und schauen rein (jedes Zimmer hat vorne und hinten eine Tür und in jeder ist ein Fenster). Wenn sie dann jemanden sehen, der irgendeine Art von Mist baut oder schläft oder so, reißen sie die Tür auf, schreien den Betreffenden an. Der muss aufstehen und seinen Namen sagen. Dann wird er noch ein bisschen zusammengebrüllt. Später kommt der Klassenlehrer und holt ihn ab (wohin konnte noch niemand berichten...^^). Der unterrichtende Lehrer nimmt das alles gar nicht wahr. Er redet einfach weiter.

Meine Mitschüler sind nett. Bis auf die Jungs. :-D Nee, Witz. Die Jungs sind auch nett, aber mir sind leider zuerst die unangenehmen aufgefallen. Die mich halt die ganze Zeit auf chinesisch anlabern, nicht verstehen, dass ich sie nicht verstehe und mich dann auslachen. Englisch ist nämlich auch bei denen mau. Dazu komme ich gleich noch. Aber ein Mädchen wurde mir "zugeteilt", die passt so ein bisschen auf mich auf, spricht auch am besten englisch. Die sitzt neben mir und ist genau wie meine anderen Sitznachbarn sehr nett. Schreibt die ganze Zeit Zettelchen. In der Pause kam ein Mädchen auf mich zu und wollte meine Handynummer haben, weil sie ihr englisch verbessern wolle. "I try to make friends in order to increase my english!". Die hätte es garnicht nötig. Wie man am Satz dort sieht, den hat sie nämlich auf Anhieb so gut rausbekommen, dass ich ihn verstanden habe. Ich wollte eigentlich nicht (grundsätzlich halt), aber ich war so perplex, dass ich sie ihr gegeben habe. Hoffentlich ruft sie nicht an.

Englischunterricht. Die Schüler haben ein (unerwartet) gutes Buch zur Verfügung, vergleichbar mit unserem Workbook (AvH). Aber die sinnvollen Aufgaben, die da drin sind, werden nicht etwa bearbeitet, evtl sogar in Gruppen, sondern die Lehrerin liest die Aufgabenstellung vor und schreibt die Übersetzung an die Tafel. Nächste Aufgabe. Zur Ehrenrettung der Chinesen muss man sagen, dass deren englische Rechtschreibung meistens vieel besser ist als die unsere. Wenn denn die Lehrerin wenigstens eine perfekte Aussprache hätte... :-/

Pausen gibts nur fünf Minuten zwischen den Stunden und eine Stunde Mittagspause, wo man den ...tollen *räusper**würg* Mensafraß isst. Und einmal gehen alle eine halbe Stunde auf den Schulhof um dort nach Anweisungen ausm Lautsprecher Morgensport zu machen. Das sieht aus wie die Aerobic, die man sich in Aerobicsendungen vorstellt.
Und einmal in der Unterrichtszeit kommt eine Stimme aus dem Lautsprecher, die einen anweist, verschiedenste Entspannungsübungen auszuführen. Selbstnackenmassage, Augen schließen etc.

Die Schüleruniform besteht aus einem Trainingsanzug, einer Jogginghose und einem Poloshirt. Das krieg ich aber auch erst später, Lieferungsengpässe. Und ich hatte mich so auf so eine Ausstattung gefreut, wie die Engländer das in meiner Vorstellung so haben. Mit Hemd und Krawatte und so. Menno!

Ist also alles in Allem ziemlich in Ordnung. Das einzige was mich wirklich stört ist der Schulweg im Bus und die krassen Zeiten.

Sonst nix.

4.9.07 16:47


in der Gastfamilie...

01.09.07 18:38 Beijing-Zeit

Joa, gestern hatte ich keine Lust mehr, deswegen schreib ich heute weiter. Am nächsten Morgen. Nach der "Party". Wir mussten um 8 weg sein, deshalb früher Frühstück und Aufstehen. Noch früher.

Nach dem Frühstück Koffer und Menschen in Minibusse einladen. Groß verabschieden und Richtung Beijing Innenstadt losfahren. Dort wurden wir ins ASSE-Büro verfrachtet. Warten.

Die Tür ging auf. "Fei Li!" Aufstehen, rausgehen, Zwei Leute sehen. Ich begrüßte sie höflich auf Chinesisch und stellte mich vor. Währenddessen rumorte es in meinem Kopf. Ist der Dicke mein junggebliebener GVater oder mein GBruder? Kann deren Alter immer ncoh nicht einschätzen. Er und die offensichtliche Mutter sahen aber ziemlich nett aus. Eine ASSE-Koordinatorin nahm mir das Rätseln ab und erklärte: "This is your Hostbrother. He is the best in his school at calligraphy. You can learn a lot from him, if you study every day." Na danke. Das ist es was ich will, Kalligrafie lernen. Jeden Tag. Nicht!

Nachdem wir uns noch kurz unterhalten haben gingen wir runter und stiegen in das Auto ein, in dem der Vater saß. Nix Anschnallen. Nur der Sohn kann bestenfalls spärlich englisch. Das musste ich während der Fahrt feststellen. Und ich kann allerhöchstens minimal chinesisch. Das wusste ich vorher schon. Dafür hat er -Jiaxing heißt er übrigens- so ein supertolles Handy, das übersetzen kann. Mehr oder weniger. Einen Großteil unserer Gespräche hackt er auf seinem Handy rum und zeigt mir dann stolz das Display, in der Erwartung, dass erstens richtig ist was da steht und zweitens ich endlich kapiere....

Zuhause angekommen, musste ich mich zu weiterem Mut zwingen. Bei uns wären solche Wohnverhältnisse in die obere Unterschicht einzuordnen. Und solche Gegenden gibt es bei uns zum Glück nicht. Slumartige Wohn- und Lebensverhältnisse. Der nächste Schock war der Tagesplan, der 5 Uhr aufstehen beinhaltet. Und zwei Stunden lernen mindestens. Am Wochenende. Uff. Selten in meinem Leben soviel am Stück gelernt. Äh. Eigentlich, um genau zu sein; Nie. Dann wurde ich ins Waschen eingewiesen. Unterwäsche mit der Hand, den Rest in der Waschmaschine. Ist ok für mich.

Weitere Schocks blieben aus und meine Seelenlage pendelte sich auf einem hohen Niveau wieder ein. Die Mutter kocht super. JiaoZi gabs, gleich am Anfang. Viele Leute laufen auf der Straße rum und man kann bis spätabends bei so Straßenhändlern einkaufen, die ihre Waren (meistens Obst und Gemüse, manchmal Dienstleistungen wie Reparatur oder Haareschneiden) auf Planen auf der Straße ausbreiten. Irgendwie ist das schön, hier rumzulaufen. Aufregend anders. Belebt. Nicht wie in Deutschland. Da gibts mehr Autos und weniger Fußgänger und Fahrradfahrer.

Mein Gbruder guckt die ganze Zeit Wrestling auf seinem Computer oder spielt billige 2D-Rollenspiele oder schlechte chinesische Counterstrike-Abklatsche. Ich schreibe die meiste Zeit Sachen auf meinen Blog, in Chatfenster, pinke Nachrichtenfenster oder emails. Der Gpapa ist auf Dienstreise bis Oktober. Die Gmama kocht oder putzt oder sieht fern :D

Ich fühl mich wohl. Ich hab Internet am Laptop. Eine nette Familie. Gutes Essen. Noch keine Schule. Davor hab ich Angst. Schule. Wovor noch?

Sonst nix.

1.9.07 13:23


Das Orientation-Camp

31.08.07 17:30 Beijing-Zeit

So Freunde,

hier ist er also, der erste Eintrag zu "China-Neuigkeiten". Bin ja schließlich schon seit dem 19.8. hier (an die potentiellen Klugscheißer unter euch: Ich bin zwar am 18. geflogen, aber erst am 19. angekommen) Das sind 12 Tage. 13 mit heute. Aber die Zahl bringt kein Glück, sagen wir einfach 12.

Als erstes lernte ich in Kopenhagen schon am 18. neue Leute kennen. Coole Leute. Deutsche. Leider haben wir anfangs nicht besonders viel geredet. Und im Flugzeug saßen irgendwie alle zusammen. Außer mir. Ich saß ganz woanders. Naja. Dafür verstanden wir uns auf dem "Orientation-Camp" gut. Und weil ich nicht zuviel Zeilen mit Flughäfen verbringen will, spring ich einfach da hin.

Auf dem Camp waren wir die ersten, später trudelten noch mehr ein, sodass wir am Ende 18 zählten. 5 ThailänderInnen, 8 Deutsche, 2 Mexikaner, 2 Französinnen und 1 einsamer Däne. Davon waren ausnahmslos alle sehr angenehme Menschen. Nur die Thailänderinnen sind ein bisschen unter sich geblieben. Ich teilte mir mein Zimmer mit einem Mexikaner. Perfekt Englisch und Französisch, den Schalk im Nacken und total offen. Daniel heißt der.

Auf dem Camp, das bis zum 28.8. ging, lernten wir einige Dinge, die entweder grundlegend oder einfach nett zu können sind. Chinesisch zum Beispiel. Einkaufen auch. Außerdem Taiji und Kalligrafie. Taiji ist super. Kalligrafie... Naja. Die führen den Unterricht hier ien bisschen anders. Nix mit Selbstlernförderung und so. Der Lehrer macht vor, die Schüler machen nach. Sonst nix.

In unserer Freizeit (die knapp bemessen war) spielten wir Computer, lasen oder schauten uns Filme an (Rambo I, Rambo II, Rambo III, the Cleaner...), spielten PingPong, Fußball (ohne mich^^) oder so.

Zwischendurch zwei Trips. Nein, nicht solche! Einer zur großen Mauer. Die ist total groß. Vor allem eigentlich das. Und imposant. Und total überlaufen. Das Blöde ist, dass es einen berühmten Teil gibt, wo alle hingehen, obwohl ich nicht verstanden habe, warum der so toll ist. Wir haben von uns aus Teile der Mauer gesehen, die genauso toll sind, wo aber nur ein Hundertstel der Touristen rumliefen. Der andere Trip ging nach LongQingXia. Kennt keiner. Braucht man auch nicht. Ist vor allem schöne Landschaft. Sehr schöne Landschaft. Sonst nix.

Am letzten Tag mussten wir präsentieren, was wir gelernt haben. Das liegt leider nicht daran, dass wir so toll waren oder so. Sondern daran, dass die Chinesen anscheinend präsentationsgeil sind. Ich hielt die einleitende Rede eher weniger freiwillig. Auf Chinesisch. Hab' sie mir aus dem Wörterbuch Wort für Wort herausgeschrieben. Die versammelte Chinesenschar samt diverser Beamter aus lokalen Institutionen fanden's super. Keine Ahnung warum. Dann mussten wir lächerliche Kindergedichte aufsagen, Nationalhymnen singen, Schattenboxen und Zeichen malen.

Der allerletzte Absatz behandelt eine brisante Geschichte...
Am letzten Abend wollten wir noch ein bisschen Spaß haben. Sind deshalb um 21:00 ins Girls Dormitory geschlichen (Auf allen vieren unter einem Rezeptionsfenster her - wie im Film) Suchten uns dort schlechte Musik aus, die wir viel zu leise aus einem Laptop hörten, der zwar steinalt aussieht, aber total super ist, wenn auch das Touchpad eher unzuverlässig reagiert. Ich möchte hier ganz liebe Grüße an unsern besonderen Freund, den superLaptop richten! Fühl dich geknuddelt! Redeten ein bisschen.
Als es klopfte, rannten alle Jungs auf den Balkon, Vorhang zu, leise sein. Nur einer nicht. Der versteckte sich hinterm Bett. Der Idiot. Der Däne. Jedenfalls haben wir Ansick bekommen. Nur die Jungs. Sonst nix.

31.8.07 13:06





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